Blumen in allen Farben und Arten, zart eingeschmiegt in die Kreppwogen und in die reizend frisierten Haare, keine frischen, lebenden Blumen, wie Guntram Krafft zuerst geglaubt, sondern wunderbar täuschend nachgeahmt, mit Blättern und Knospen, Blüten, wie man sie in gleicher Schönheit kaum im Lenz beisammensieht! —
Und welch ein Gefunkel von Edelsteinen!
Über Nacken, Brust und Arme sind sie gestreut wie ein versteinerter Funkenregen, in allen Farben der Iris leuchtend, — Diademe über der Stirn, goldene Spangen um die zarten Handgelenke, und wo die Frauenaugen besonders tief und schwärmerisch blicken, da glänzen die zauberschönen Schätze des Meeres, die Tränen der Nixen und Meerfrauen, welche die Menschen Perlen nennen!
Gar mancher Blick hat den Bär von Hohen-Esp gestreift, gar manch leises Wort ist über ihn gewechselt und manch rote Lippe hat seinen Namen genannt, — auch hat des jungen Grafen Blick sich selber im hohen Wandspiegel gestreift und voll beinahe scheuer Unsicherheit sein fremdes Bild gemustert.
Er trägt zum erstenmal einen Frack — die weiße Binde und Weste — zum erstenmal die spiegelnden Lackschuhe an den Füßen.
In Hohen-Esp war solch ein Luxus unbekannt, und weil sich der Einsiedler aus der Bärenhöhle so ungewohnt darin vorkommt, fühlt er sich beklommen und geniert.
Die Zahl der Gäste lichtet sich, es scheint nun die höchste Zeit zu sein, die Säle zu betreten, und langsam steigt Guntram Krafft die Treppe empor.
Er mustert die überlebensgroßen Gemälde fürstlicher Ahnherrn an den Wänden, er atmet schwer und tief den berauschenden Duft, welcher ihn geheimnisvoll umweht. Sind es die Veilchen, welche Gabriele jüngst im Schlitten getragen? —
Wie haben seine Blicke Fräulein von Sprendlingen gesucht, — wie zuckte sein Herz empor, als er sie noch im letzten Moment droben an der Treppenbiegung erblickte. Sie wandte just das Köpfchen und schaute zurück, ein paar jungen Damen drunten zuzunicken.