»Nein! Noch nicht einen einzigen.«
»Ah ... fatal ... sind ein wenig spät gekommen, ist aber kein Mangel an Tänzerinnen! Im großen Saal läßt sich das erst richtig übersehen.«
»Ich möchte heut nicht tanzen, sondern das Fest nur als Schauspiel auf mich wirken lassen!«
»Sehr wohl! Ist auch kaum ein Vergnügen, auf einem wie ein Präsentierteller großen Raum zu tanzen! Furchtbare Fülle heut! Man findet sich kaum durch! Aber immerhin engagiert man, um ein wenig mit den Damen zu plaudern. Superbe Erscheinungen heute ... alle Stars sind vollzählig vertreten.«
»Wer gilt für die schönste der Damen?«
Der junge Offizier lacht: »Mon Dieu, Verehrtester, das ist schwer zu sagen! Der Geschmack ist unberechenbar! Da ist die Hofdame der verwitweten Prinzeß Amalie, — Gräfin Dollen, eine vielgerühmte Schönheit, aber kühl ... kühl bis ans Herz hinan ... dann Fräulein von Lochau, pikant ... amüsant ... kapriziös.., Baronesse Sprendlingen, bezaubernd hübsch, aber rasend verwöhnt und anspruchsvoll ... Fräulein Karola von Erlau-Föhrbach, Tochter des Ministers ... ein Tanagra-Figürchen voll größten Charmes ... aber pardon ... wir wollen uns in den Tanzsaal begeben, damit die höchsten Herrschaften allzugleich das Zeichen zum Beginn des Tanzes geben können ... Sie gestatten, Herr Graf ...« und der Sprecher verneigt sich ein paarmal hastig nacheinander und schießt davon, um einer zierlichen kleinen Blondine den Arm zu bieten und sich dem »Zug nach dem Westen« anzuschließen.
Da hastet es abermals lachend und scherzend an ihm vorüber, und Guntram Krafft steht — um eines Hauptes länger denn alles übrige Volk — ruhig beiseite und überfliegt mit suchendem Blick die bunte Menge.
»Fräulein von Sprendlingen, — bezaubernd hübsch, aber rasend verwöhnt und anspruchsvoll!« klingt es noch wie ein Echo vor seinen Ohren, und dann denkt er wie in jubelnder Freude daran, daß er nicht zu tanzen braucht, sondern auch eine Dame zum Plaudern engagieren kann.
Und wie er mechanisch über die Menge hinblickt, — da zuckt er plötzlich empor und ahnt es nicht, daß ihm alles Blut in die Wangen steigt.
Dort taucht endlich, endlich Gabrieles Köpfchen auf. Sie scheint es nicht eilig zu haben, den Tanzsaal zu erreichen.