Sie hat einen großen, zartduftigen Marabu-Fächer entfaltet und bewegt ihn mechanisch vor dem Busen auf und nieder.
Die Spitzen des Ausschnitts wogen leise, wie ganz zarter, maigrüner Hauch, durch welchen sich ein Silbergekräusel zieht, und die wunderschönen Arme gleißen im Licht und sind ihm so bekannt ... ja, wo sah er sie schon?
Im Traum! Es sind die Arme jener Meerfrau, welche ihm die Perlenschnur entgegenreichten. Perlen!
Nein, diesmal träumt er nicht!
An ihrem schlanken Hals schimmern sie in mattem Glanz, eine Kette mit einem Brillantschloß ... und sie neigt den Nacken graziös zurück und lächelt zu einem Dragoneroffizier empor, welcher ihr gar schöne Worte zu sagen scheint.
Langsam, ganz langsam schreiten sie heran, als die letzten im Saal, und Guntram Krafft begreift es in dem Augenblick selber nicht, woher er den Mut nimmt, aber er steht in dem nächsten Augenblick vor den beiden, verneigte sich etwas linkisch und stammelt seinen Namen.
»Darf ich um einen Tanz bitten, mein gnädiges Fräulein?«
Sie schaut ihn mit den großen hellen Augen einen Moment sprachlos an, das Lächeln schwindet, ihre Lippen zucken ein Gemisch von Stolz und schroffer Abweisung.
»Bedaure, meine Tänze sind vergeben!« sagt sie kurz, klappt den Fächer zu und legt ihre Hand auf den Arm des Offiziers, um hastig weiterzuschreiten. Herr von Heidler hat seinen Namen ebenfalls mit kurzer Verneigung genannt und den Bär von Hohen-Esp mit etwas ironischem Blick gemustert, dann flüstert er seiner Tänzerin ein paar Worte zu, und beide entschwinden in die Galerie.