XI.

Einen Augenblick stand Guntram Krafft regungslos und starrte der entzückenden Erscheinung des jungen Mädchens nach.

Alles Blut, welches ihm zuvor nach dem Herzen gestürmt war, schoß ihm in die Wangen, und ein Gefühl tiefster Mutlosigkeit überkam ihn.

Er war viel zu harmlos und weltfremd, um in dem Benehmen der beiden eine Zurücksetzung oder Unhöflichkeit zu sehen; es erfüllte ihn nur mit tiefer Betrübnis, daß er zu spät gekommen war, und sein erster Gedanke war der, daß Gabriele wohl erwartet hatte, er werde früher den Weg zu ihr finden, um sie zu engagieren.

Fraglos war sie über sein langes Zögern ungehalten, denn zuvor hatte sie ihn doch nicht mit diesen stolz und kühl schimmernden Augen angesehen!

Sie lächelte ihm so wonnig zu, als er sie aus dem Schnee emporhob, und als sie zuerst in das Theater trat und seiner ansichtig wurde, da spiegelte es sich in ihrem Gesicht, daß sie ihn wiedererkannte, und abermals flog das süße, bezaubernde Lächeln um ihre Lippen. Nun zürnt sie ihm!

Wie soll er sich ihr wieder nähern, um sie zu versöhnen?

Er ist so fremd hier, unter all den vielen Menschen doch so allein.

Und sehr freundlich ist niemand zu ihm, keiner scheint Zeit und Lust zu haben, mit ihm zu plaudern.