Dieses Empfinden macht ihn noch befangener wie zuvor, und er, der noch nie ein Gefühl der Furcht gekannt, der sich todesmutig auf die brüllende See hinauswagte, voll kühnen Trotzes dem Tode sein Opfer abzuringen, er wagte es kaum noch, die Schwelle des Tanzsaals zu überschreiten, er steht zaudernd und verzagt beiseite und fühlt es plötzlich, wie heißes, ungestümes Heimweh sein Herz erfaßt.

Jubelnde Tanzweisen erbrausen durch die weitgeöffneten Saaltüren, — er hört nur noch den Klang von Gabrieles herben Worten, — eine bunte, glitzernde, farbenprächtige Menschenflut wogt vor ihm und lockt mit tausend Wundern, — er aber sieht nur noch zwei kalte, helle, kristallfarbene Mädchenaugen, welche ihn ansehen, daß er bis in das tiefste Herz hinein friert. —

Wie einsam, wie verlassen ist er auch hier! — Wie empfindet er es noch so viel schmerzlicher, als daheim in seiner Mutter Haus!

Da klingen leise, schnelle Schritte neben ihm, und eine milde, freundliche Stimme spricht ihn an. —

»Dachte ich es mir doch, Graf, daß Sie nach der ersten Niete, welche Sie gezogen, kaum noch Lust verspüren, in das volle Menschenleben hineinzugreifen! — Schade, daß ich Sie vorhin erst im Vorübergehen entdeckte und erst pflichtschuldigst meine Tour abtanzen mußte, ehe ich Sie holen konnte! Ich hätte Ihnen gern Gabrieles Abweisung erspart!«

Guntram Krafft hatte überrascht den Kopf gewandt.

Er blickte in die sehr sanften, liebenswürdigen Augen der Komtesse Sevarille.

Wie ein Aufatmen nach banger Spannung ging es durch seine Seele.

»O, Komtesse ... Sie gedenken meiner ... Sie nehmen meiner so freundlich wahr?!« stotterte er mit aufleuchtendem Blick und kämpfte gewaltsam seine Verlegenheit nieder.

»Selbstverständlich, Graf! ›Wenn der Berg nicht zu mir kommt, gehe ich zum Berg!‹ sagt Mohammed, und nach diesem praktischen Beispiel möchte auch ich handeln. — Ich kann mich so lebhaft in Ihre Situation hinein versetzen! Sie sind fremd hier, alles mutet Sie ungewohnt an, und niemand von diesen hastigen, vielbeschäftigten Menschen hat Zeit, Sie ein wenig in die Sitten und Gebräuche der großen Welt einzuführen!«