»Das wäre sehr gütig, Komtesse!« er spricht wie einer, dem die Kehle zugeschnürt ist.

»Kommen Sie mit! Führen Sie mich in den Saal zurück! Wir haben eine sehr lustige, kleine Ecke gebildet, und wenn ich Sie all den jungen Damen und Herren bekannt mache, werden Sie sich vortrefflich amüsieren!«

Sie legt ihre Hand auf seinen Arm und blickt zu ihm auf.

So gütig und freundlich wie sie sah ihn noch niemand hier in der Residenz an.

Das fällt wie Sonnenschein in sein Herz.

»Ich danke Ihnen, Komtesse!« sagt er noch einmal; er möchte so gern mehr sprechen, aber er weiß nicht was. Er hat es nicht gelernt, das leichte, amüsante Geplauder, er vermochte auch nicht in diesem Augenblick von gleichgültigen Dingen zu reden, jetzt, wo sein Herz zum erstenmal im Leben schmerzt, als sei ihm ein grenzenloses Leid widerfahren.

Aber Gräfin Sevarille scheint keine Unterhaltungskünste von ihm zu verlangen, ihre dunklen Augen lachen fröhlich zu ihm auf, und sie spricht statt seiner, während sie nach dem Tanzsaal schreiten.

»Wissen Sie, Graf, was ich glaube? Sie finden unsere große Stadt, unsere lebhaften Feste, all die modernen Sitten und Gebräuche fürerst ganz greulich und sehnen sich heim in den köstlichen Frieden Ihres stillen Strandschlosses! O wie sehr begreife ich das! Auch für mich gibt es kein besseres Glück als eine Landidylle! Warum sehen Sie mich so erstaunt an? Scheint Ihnen das so unbegreiflich?«

Sein Blick haftet noch immer überrascht auf ihrem blassen Gesichtchen. Er muß sich beinahe herabbeugen, wenn er in ihre Augen schauen will, die sehr kleine, puppenhafte Gestalt hängt wie ein verwehtes Sommerwölkchen an seinem Arm.

»Ja, das finde ich sehr unbegreiflich, aber es freut mich um so mehr, es zu hören. Ich glaubte, die Leute der großen Welt hätten gar keinen Sinn und kein Verständnis mehr für die kleinen Genien des Friedens, welche sich aus dem Häuserlabyrinth heraus zu uns in die Stille der Wälder geflüchtet haben. — Lebten Sie längere Zeit auf dem Lande, Gräfin, daß Sie es liebgewannen?«