»Und diese Prozedur dauerte so lange?«

Thea sah ein wenig verlegen aus und bemühte sich, desto harmloser zu erscheinen.

»Gerade als wir uns erheben wollten, kamst du mit dem Bären und setztest dich Posten, — da wollten wir nicht stören.«

Das war lachend gesagt und klang doch wie feiner Spott.

Auch Thea lachte. »Hast du dich an den Bekenntnissen seiner schönen Seele recht delektiert? Wie gefiel dir die Ansicht dieses prächtigen Menschen über eitle Ruhmsucht? O Gabriele, du glaubst gar nicht, wie gut er mir gefällt!« —

Die Komtesse flüsterte es sehr schwärmerisch, und doch hing ihr Blick in scharfem Forschen an dem reizenden Antlitz der Freundin, einer sehr abfälligen Kritik gewärtig.

Aber Gabriele sah an ihr vorüber und sagte nur kurz: »Er ist ein Kind!«

»Ja, ein goldenes Kinderherz!«

»Was man nicht kennt, entbehrt und verlangt man nicht! Wem nie der Gedanke kam, daß man nicht nur für sich, sondern in erster Linie für andere leben muß, dem genügt ein Seelenfrieden, welchen das Bewußtsein, ›nichts Böses begangen zu haben‹, verleiht.«

»Mein Gott, wie sollte jener einsame Mensch auf dem Lande Gelegenheit finden, sich um ein großes Ganzes, um Fürst und Vaterland, verdient zu machen!«