»Leider darf ich mich noch nicht so glücklich preisen, Komtesse, während eines ganzen Galopps bin ich noch verurteilt, auf diesen Vorzug zu warten! Jetzt gilt mein störendes Eingreifen lediglich dem Herrn Grafen!« — Abermals eine sehr höfliche Verneigung vor Guntram Krafft, welcher sich erhoben hatte und den Gruß erwiderte. »Der Kammerherr von Rheinsberg sucht Sie aller Ecken und Enden, Graf! — Seine Hoheit der Herzog haben den Wunsch geäußert, Sie zu sprechen! — Auch dürfte es alsdann gelegene Zeit sein, daß Sie den fürstlichen Damen präsentiert werden!«
»Ich stehe zur Verfügung, wollen Sie die Güte haben, mich dem Herrn Kammerherrn zuzuführen. Ich bitte um Verzeihung, Komtesse, und stehe bald wieder zu Diensten.«
Wie altmodisch und wohlerzogen das klang! So recht nach Gräfin Gundulas vergilbter Schule; Thea wollte es eigentlich nicht, aber sie wechselte doch einen schnellen Blick mit Herrn von Stetten, um dessen Lippen ein recht scharfes Zucken ging.
Dann schritten die beiden Herren eilig davon, und Komtesse Sevarille erhob sich ein wenig gelangweilt und wandte sich dem Saale zu.
»Thea!« —
Beinahe erschrocken schaute sich die Gerufene um. Hinter dem Boskett hervor traten Frau und Fräulein von Sprendlingen, sie hatten auf einem zweiten Wandpolster, welches ganz versteckt hinter der grünen Kulisse stand, gesessen und waren weder von der Komtesse noch von dem Grafen Hohen-Esp bemerkt worden.
»Gabriele ... gnädigste Frau ... um alles in der Welt — was tun Sie hier?«
Baronin Sprendlingen schritt mit einem merklich kühlen Gruß und ganz seltsam scharfem Blick an der jungen Dame vorüber, Gabriele aber blieb stehen und lachte.
»Solch indiskrete Lauscher hattest du nicht vermutet? Je nun, wenn man Pech hat! Als ich ein einziges Mal herumgetanzt hatte, riß mir plötzlich die Perlenschnur am Hals — zum Glück konnte ich sie gleich in der Hand zusammen fassen! Mama stand in meiner Nähe, wir flüchteten uns hierher in dieses lauschige Versteck, nahmen ein paar Perlen heraus, und Mutter knüpfte den Faden so gut es ging zusammen. Ich denke, jetzt wird sie halten. Du weißt, ich liebe einen völlig nackten Hals nicht.« —