»Ich weiß es wohl, aber ich verstehe es nicht. Mir genügt der Beifall von zweien vollkommen.«

»Von welchen zweien?«

»Von Gott dem Herrn und meiner Mutter!«

»Ihre Mutter kann Ihnen wohl ein Lob sprechen und Sie dadurch beglücken, — der Beifall Gottes dürfte aber nur eine Illusion sein, denn er ist durch nichts zu beweisen!«

Wieder traf sie sein klarer, ernster Blick.

»Durch nichts im Sinne der Welt, — und doch ist er so fühlbar. Haben Sie es nach einer guten Tat noch nie im innersten Herzen bestimmt gefühlt und gewußt, daß Gott mit Ihnen zufrieden war? — Der Beifall der Menge mag schön sein, aber solch ein Gefühl glückseliger Erhebung und frommer Zufriedenheit, wie ich es als Gottes Segen empfinde, wenn ich meine Schuldigkeit und vielleicht noch ein wenig darüber ... getan, das kann aller Lorbeer der Welt nicht geben!«

Thea blickte vor sich nieder.

Hatte sie je eine gute Tat getan, hatte sie jemals derartiges empfunden? —

Sie zupfte ein wenig ungeduldig an den roten Blüten ihres Kleides; nur mit Mühe unterdrückte sie ein ironisches Lächeln, aber sie bewegte zustimmend den Kopf und sagte beinahe träumerisch: »Und ob ich dies Gefühl kenne! Sie glauben gar nicht, Graf, wie sehr Sie mir aus der Seele sprechen! Darüber müssen wir noch viel eingehender plaudern ... ah, Herr von Stetten! Holen Sie mich etwa schon zu unserer Française?«

Der Vortänzer stand vor ihnen und verneigte sich hastig mit sehr scharmantem Lächeln.