»O, wenn Sie sehen würden, was meine Mutter leistet, Komtesse, welch eiserne Energie, welch unermüdlichen Fleiß sie besitzt, Sie würden sie nicht nur lieben, sondern auch bewundern und verehren! Wenn die Bären von Hohen-Esp in alter Zeit die Schirmvögte des Landes gewesen sind, welche ihre starke Hand über die Schwachen und Notleidenden breiteten, so hat meine Mutter diese Zeit in ihrer Person wieder aufleben lassen! Wenn mancher Schiffbrüchige ahnte, wessen milde Hand ihn ins Leben zurückgerufen, der Name der Gräfin Gundula würde bekannter sein, als wie er es ist!«

»Was für ein guter Sohn sind Sie! — O, es ist ein Genuß, wenn man so von einer Mutter sprechen hört! Warum wirkt die herrliche Frau so ganz inkognito? Legt sie denn gar keinen Wert darauf, auch von der Welt anerkannt zu werden?«

»Von der Welt? Die ist ihr sehr gleichgültig!«

»Und wie denken Sie darüber?«

»Genau ebenso!«

»Sie streben nicht nach äußeren Ehren, nach Rang und Würden?«

Seine großen blauen Augen blickten sie verständnislos an.

»Nein! Was sollten die mir nützen?«

Sie schlang die kleinen Hände staunend ineinander.

»O, Sie Kinderherz! Wissen Sie nicht, daß der Ehrgeiz die Triebfeder jedweden modernen Schaffens und Handelns ist?« —