Wenn man momentan auch noch ein wenig witzelte über den Einsiedler von Hohen-Esp und ihn mehr neugierig wie begehrlich betrachtete, so wußte Frau von Sprendlingen doch, daß er sich gar bald hier eingelebt und der Gegenstand brennenden Interesses für Mütter und Töchter sein werde.

Schon jetzt hörte man überwiegend mehr Anerkennendes aus dem Mund der Damen wie Spöttisches, und die Schönheit des jungen Mannes schien der Punkt zu sein, an welchem eine allgemeine Begeisterung für den reichen Grundbesitzer einzusetzen beabsichtigte.

Ganz wie von ungefähr näherte sich die Baronin dem Sohne Gundulas und bemerkte es voll äußerster Genugtuung, wie sein Blick, ein wenig verdüstert, aber sehr beharrlich ihrer Tochter folgte.

Sie nestelte die langstielige, sehr elegante Lorgnette an der goldenen Kette von dem Fächer los und hob sie an die Augen, und als der Graf mechanisch auf die elegante, noch immer sehr schöne und jugendliche Frau herniedersah, schien sie ihn just in diesem Moment erst zu bemerken und zu erkennen.

Sie wandte sich ihm sichtlich überrascht und erfreut zu und bot ihm die kleine Hand, über welcher die kostbaren Armspangen funkelten, entgegen.

»Sieh da, Graf Hohen-Esp! welch eine Freude, Sie hier bei Spiel und Tanz begrüßen zu können! Hoffentlich sind Sie schon bei der Jugend bekannt geworden und amüsieren sich vortrefflich?« —

Einen Augenblick schien der Genannte nicht recht zu wissen, wen er vor sich hatte.

Er verbeugte sich in seiner etwas linkischen und befangenen Weise und stammelte eine Antwort, von welcher Frau von Sprendlingen wenig verstand.

»Hoffentlich hat Ihnen meine Tochter Gabriele einen Tanz aufgehoben?« fuhr die schöne Frau mit anmutigem Lächeln fort. »Es ist heute einer jener seltenen Tage, an welchen die Herren in der großen Überzahl sind und die Tanzkarten infolgedessen bald ausverkauft sind!« —

Die Sprecherin beobachtete das Antlitz des jungen Mannes und war sehr befriedigt, als sie das jähe Aufleuchten seiner Augen sah, das plötzliche, lebhafte Interesse bemerkte, sobald sie den Namen Gabrieles nannte.