»Oh, Frau von Sprendlingen!« rief Guntram Krafft mit jäher Röte in den Wangen, in seiner so ehrlich-naiven Art: »Jetzt erst erkenne ich Sie, gnädigste Frau! Die Damen sehen in den Balltoiletten alle so märchenhaft verändert aus, daß man sich selbst mit dem besten Gedächtnis in dieser neuen Welt schlecht zurechtfindet!«

»Wie begreiflich ist das! — So fanden Sie auch meine Tochter noch nicht unter den vielen unbekannten Tänzerinnen heraus?«

»Fräulein von Sprendlingen? Selbst mit blinden Augen würde ich sie erkennen!«

Das klang aus tiefstem Herzen heraus, und die Generalin lächelte abermals.

»Wie liebenswürdig Sie das sagen! — Ich hoffe, daß Sie zum mindesten den Kotillon mit ihr tanzen?«

Ein Schatten flog über das strahlende Gesicht des jungen Bären.

»Ich kam zu spät, gnädigste Frau!« sagte er leiste.

»Oh! in der Tat? Darüber müssen Sie mich genau unterrichten! Sind Sie für diesen Tanz verpflichtet oder haben Sie Zeit, mir ein wenig Gesellschaft zu leisten? Hier unter dem Rundbogen der Nische sitzt es sich sehr nett, setzen wir uns zum Plaudern nieder.«

»Sehr gnädig — ich bin überaus dankbar!« stammelte Guntram Krafft, und abermals leuchtete ihm die Freude aus den Augen. Die schlanke, elegante Frau mit dem zarten, blassen Gesichtchen und dem so sehr gewinnenden Ausdruck in den schönen Zügen hätte nicht Gabrieles Mutter zu sein brauchen, um es ihm anzutun, er hatte schon bei seinem ersten Besuch lebhafte Sympathie für sie empfunden, und dieses Gefühl steigerte sich in diesem Augenblick zu herzlichster Begeisterung. Empfand er doch heute, inmitten all der fremden, so wenig entgegenkommenden Menschen, jedes freundliche Wort doppelt dankbar.

Nun war es Gräfin Thea nicht mehr allein, welche ihm wie ein rettender Engel in seiner Verlassenheit erschien, Gabrieles Mutter ließ sein Herz noch schneller und erregter in diesem Augenblick schlagen, und er empfand es schon als großes Glück, mit ihr von der Wunderlieblichen zu plaudern, welche es seinem Herzen wie durch Spuk und Zauber angetan. — — — Er setzte sich neben Frau von Sprendlingen auf den Diwan nieder, und die weichen, glänzenden Falten ihrer fraisefarbenen Atlasschleppe legten sich wie ein Traumgefilde um seine Füße.