»Also Sie kamen zu spät zu Gabriele?« fragte die Baronin abermals mit ihrer weichen, angenehmen Stimme und entfaltete den duftigen Marabufächer vor der Brust. — »Wie kam das? Wir waren heute sehr präzise zur Stelle!«
»Dessen kann ich mich kaum rühmen, gnädigste Frau! Ich habe das fremde Terrain Schritt um Schritt erobert und bedurfte der Zeit, um mich in diesem Zauberreich zurechtzufinden. Sie ahnen nicht, wie völlig neu es mir ist, wie ich gleich einem Kind erst das Gehen auf dem höfischen Parkett lernen muß!«
»Davon merke ich nichts — oder besser gesagt, Sie lernen zum Erstaunen schnell! Gleichwohl begreife ich, daß Sie heute nicht Herr der Zeit gewesen! So fanden Sie Gabriele erst jetzt während des Tanzes!«
Er senkte das Haupt tiefer und blickte auf die schimmernden Atlasfalten, auf das wirre, feine Spitzengeriesel, welches sie umsäumte, nieder.
»Doch nicht, gnädigste Frau ... ich konnte mich Ihrer Fräulein Tochter noch in der Galerie bekannt machen ... aber ... ich kam zu einer sehr ungelegenen Zeit ...«
Die letzten Worte klangen so leise, daß Frau von Sprendlingen sie kaum verstand. Sie hob jäh den Kopf.
»Ungelegenen Zeit? Was verstehen Sie darunter, lieber Graf?«
Da schauten sie seine großen, ehrlichen, blauen Kinderaugen unendlich traurig an.
»Ihr Fräulein Tochter stand im Begriff, sich zu verloben«, sagte er treuherzig.