Die Generalin machte eine beinahe entsetzte Bewegung. »Gabriele sich verloben? — Herr des Himmels, mit wem denn?«
»Mit jenem schlanken, dunkelhaarigen Dragoner, welcher eine breite Narbe auf der Stirn trägt; der Name ist mir wieder entfallen, gnädigste Frau!«
»Mit Heidler?« Frau von Sprendlingen klappte bewegt den Fächer zu: »O welch eine lächerliche, absurde Idee! — Wer hat Ihnen solch einen Unsinn vorgeredet, Graf?«
Schier atemlos starrt der Bär von Hohen-Esp die schöne Frau an seiner Seite an. Wieder stieg es heiß und rot in seinem Antlitz auf.
»Es ist nicht wahr? — Es ist ein Irrtum?« klang es wie leiser Jubel von seinen Lippen —: »O, das wäre ja ...« und er unterbrach sich plötzlich voll tödlicher Verlegenheit und starrte abermals auf die duftige Atlasschleppe nieder. —
»Solches Märchen hat Ihnen gewiß Gräfin Thea Sevarille vorerzählt!« lachte die Generalin, und doch flimmerte es in ihrem Blick wie geheimer Triumph, das Spiel der kleinen Intrigantin richtig durchschaut zu haben —: »Die jungen Mädchen wittern ja sofort eine Verlobung, wenn ein Herr etwas den Hof macht, und bedenken in ihrem mitteilsamen Eifer gar nicht, daß zum Verloben doch immer zweie gehören!«
»Herr von Heidler liebt Fräulein Gabriele wohl sehr?« fragte Guntram Krafft wieder in seiner beinahe kindlichen Aufrichtigkeit, und abermals klang es wie geheime Sorge durch seine Stimme.
»Je nun — er schwärmt meine Tochter an und zeigt das sehr aufrichtig!« lächelte Frau von Sprendlingen ein wenig ironisch —: »aber das tun doch sehr viele der jungen Herren, denn Gabriele ist allgemein beliebt und recht gefeiert! Aber an Verloben denkt sie durchaus nicht — und wenn sie zu Herrn von Heidler vielleicht etwas liebenswürdiger ist wie zu andern Herren, so kommt das einfach daher, weil sie ihn schon seit einer langen Reihe von Jahren kennt!«
Guntram Kraffts Blick hing in atemlosem Lauschen an den Lippen der Sprecherin.
Es war, als ob er aus jedem ihrer Worte neue Zuversicht und frischen Lebensmut schöpfte; seine Augen strahlten wie verklärt, und er bemühte sich auch gar nicht, seine Freude zu verbergen.