Heidler hob sein Sektglas und sah tief und leidenschaftlich mit einem seiner zündenden Blicke in Gabrieles Auge.

»Soll ich den Sattel an den Nagel hängen? Soll ich ein Seemann werden, und kommen Sie mit auf die weiten Meere hinaus, den fliegenden Holländer zu suchen?« —

Heiße Glut flammt über ihr Antlitz, die rosigen Lippen beben, und in ihren Augen steht die Antwort geschrieben, — aber sie beherrscht sich, schüttelt mit leisem Lachen das Köpfchen und antwortet: »Wenn Sie aufhören wollten zu reiten, würden Sie ein Verbrechen an dem modernen Heldentum begehen, und das würde ich Ihnen am allerletzten verzeihen! — Was wollen Sie auf dem Wasser? Da gibt es keine Lorbeeren zu holen ...«

»Erlauben Sie, meine Gnädigste! Die jüngsten, welche auf Chinas Boden sproßten, holte sich unsere Marine!«

»Die Marine! ja die!!« zuckte Gabriele die Schultern.

»Die besteht auch aus Soldaten und mutigen Männern, welche den Feind zu Schiff aufsuchen, weil sie ihn zu Lande nicht erreichen können! Die Marine imponiert mir fraglos, aber die Sportsmen, welche bei hellem Sonnenschein ein wenig die Ruder führen und in idyllischen Sommernächten eine Segelpartie machen, die können doch unmöglich mit unseren verdienstvollsten Männern rangieren!«

Der Blick der Sprecherin traf wie eine kühne Herausforderung den Bären von Hohen-Esp, welcher schweigend an ihrer Seite saß und vor sich nieder auf das Fürstenwappen inmitten seines Tellers sah, — er sah nicht den Ausdruck ihres Auges, er hörte nur ihre Worte, und sein erst so heiß gerötetes Antlitz ward um einen Schein blasser.

Die Umsitzenden hatten sehr betroffene Blicke gewechselt, Heidler murmelte sehr amüsiert: »Alle Wetter, mein gnädiges Fräulein, das war deutlich!« Dann lenkte ein gegenübersitzender Kammerjunker das Gespräch voll nervöser Hast auf ein anderes Thema und verwickelte Guntram Krafft voll besonderer Liebenswürdigkeit in ein Gespräch.

Gabriele aber warf triumphierend das reizende Köpfchen zurück und wandte sich wieder ausschließlich zu Heidler.

»Er mußte einmal meine aufrichtige Meinung hören!« flüsterte sie erregt, »es ist ja eine Schande, wenn ein Mensch, welcher wahrlich gewachsen ist wie ein Parzival, gar nicht zum Bewußtsein seiner Bärenkräfte kommt und ›das Eisen in der Halle rosten‹ läßt, anstatt es zu Ruhm und Ehren seines Vaterlandes im Feuer zu schmieden!«