Mit weit offenen Augen starrte er sie an.

»Kennen Sie die See? Haben Sie schon einmal längere Zeit am Strande gelebt?«

»Nein! Gott sei Dank, wir mußten ja nach acht Tagen schon wieder von Heringsdorf abreisen, weil meiner Mutter die Luft nicht bekam. Ich denke mit großer Gleichgültigkeit an diese acht Tage voll blendender Sonnenglut, gelben Sandes und beinahe regungsloser Wasserfläche zurück. — Später suchten wir im Sommer nur noch Quellenbäder auf, und ich habe mich nie nach Heringsdorf zurückgesehnt!«

Noch immer starrte er sie an wie eine Vision. »Sind Sie im Boot gefahren?«

»Gewiß! Abends ruderten uns meine beiden Vettern in die ›blaue Unendlichkeit‹ hinaus, und wir schaukelten eine Zeitlang auf dem Wasser, sangen: ›Das Meer erglänzte weit hinaus!‹ und sahen die Sonne am Horizont verschwinden, — einen Tag wie den andern ...«

»Schwefelgelb und still und lautlos wie eine Apfelsine auf Gummischuhen!!« — warf Herr von Heidler mit übermütiger Grimasse ein, und ein schallendes Gelächter erhob sich im Kreise.

Nur Guntram Krafft lachte nicht mit.

Er starrte in sein Sektglas nieder und sah aus wie ein Mensch, welcher vor einem großen, unlösbaren Rätsel steht.

»Und einen Sturm, einen großen, gewaltigen Sturm sahen und erlebten Sie nie?« fragte er.

»Nein! Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, daß das Wasser, welches immer so glatt dalag wie ein Tischtuch, mal zornig aufbrausen kann! All die Seegeschichten, welche man hört oder liest, kann ich nie recht glauben, denn mir fehlt die Phantasie, um sie mir auszumalen!«