Gabriele kann aber diese Gedanken nicht von seinem geneigten Antlitz ablesen, sie glaubt nur ein gewisses zaghaftes Gruseln aus seinen Worten herauszuhören, und ihr Blick flammt beinahe verächtlich zu ihm auf.
»Wenn Sie nicht reiten — was tun Sie sonst den ganzen Tag auf Hohen-Esp?« —
Er lacht, als ob ihn diese Frage amüsiere: »Ich bin der erste Arbeiter meiner Mutter und schaffe das Meine; wissen Sie nicht, daß es auf dem Lande unendlich viel zu tun gibt, wenn der Gutsherr nicht auf der faulen Haut liegt, sondern selber Hand anlegt, wo und was es auch sei?« —
Sie verzieht den Mund noch ironischer. »Ich kenne das Landleben nur vom Hörensagen und halte das Säen, Pflügen und Dreschen für recht harmlose Beschäftigungen. Irgendeinen Sport üben Sie gar nicht aus?«
Er sieht abermals sehr betroffen, beinahe verlegen aus, und dieser Ausdruck im Gesicht steht ihm nicht.
»Ich weiß nicht recht, was Sie unter Sport verstehen, mein gnädiges Fräulein! Wenn meine Arbeit getan ist, gewährt es mir viel Freude und Genugtuung, auf der See zu rudern oder zu segeln!«
»Also — also doch eine Art Wassersport! Das ist ja jetzt auch modern!«
»Lieben Sie das Meer?«
Sie schüttelt unendlich gleichgültig den Kopf.
»Nein! Ich habe nicht das mindeste Interesse dafür. So eine ewig gleiche, endlose Wasserfläche ist für mich unaussprechlich öde und reizlos!«