»Reiten?« wiederholt er zögernd, »gewiß reite ich täglich auf die Felder oder in den Wald hinaus, je nachdem es meine Tätigkeit als Landwirt bedingt! Wir verfügen jedoch nur über Pferde, welche mehr dauerhaft wie elegant sind, denn wir brauchen in erster Linie Arbeitspferde, aber keine Vollblüter!«

»Dann ist das Reiten allerdings weder ein Sport noch ein Vergnügen!« zuckt Fräulein von Sprendlingen die Achseln, und ihre Augen sehen aus wie die klare See, wenn jähe Wolkenschatten sie dunkel färben, — Herr von Heidler aber lacht mit gedämpfter Stimme auf und fügt hinzu: »Donnerwetter, nein! ein Hürdenrennen auf einem Ackergaul gibt es nicht!« —

Gabriele sieht den Graf scharf an.

Wird er auf solch beleidigenden Spott eine stolze, energisch abweisende Antwort haben? Nein, das Muttersöhnchen lacht mutig mit und findet es entschieden viel zu gefährlich, mit dem schneidigen Dragoner Händel zu bekommen, er sagt sogar ganz zustimmend: »Ich möchte es wenigstens nicht versuchen! Selbst auf einem Ihrer gut trainierten Renner nicht, Herr von Heidler! Das Reiten ist eine Kunst, welche gelernt und viel geübt sein will, — beides habe ich bisher versäumt!«

»Es gehört auch recht viel Courage und Schneid dazu, um auf der Rennbahn etwas zu leisten!« lächelt Gabriele beinahe verächtlich und mustert noch widerwilliger wie zuvor ihren Nachbar, welcher so hünenhaft groß und gewaltig neben ihr sitzt und doch so kläglich vor ihrem kritischen Blick zusammenschrumpft, wie ein Schatten vor der Sonne. —

Auch diese Ironie scheint der zahme Bär entweder nicht zu verstehen, oder er hält es für praktischer, den Harmlosen zu spielen.

»Gewiß, mein gnädiges Fräulein! Es gehört viel persönlicher Mut dazu, um flott über alle Hindernisse hinwegzugehen, denn leider gibt es jährlich wohl traurige Beweise genug, daß auch der Turf seine Opfer fordert.«

»Traurige Beweise?« Heidler klemmt das Monokel ein und zieht die narbige Stirn in Falten: »Es ist meiner Ansicht nach nie traurig, wenn ein Mann sich in seinem Beruf aufopfert und einen frischen, schönen Reitertod stirbt! Gäbe es keine Gefahr bei Mauern und Gräben, würden sie jedweden Reiz für mich verlieren!«

Gabrieles Blick leuchtete wie verklärt zu dem Sprecher auf, und Guntram Krafft nickt zustimmend vor sich hin und sagt leise: »Ja, es ist seltsam, daß gerade die Gefahr einen so seltsamen Reiz ausübt!« und er denkt dabei an sein wildes donnerndes Meer und an das gebrechliche Lotsenboot, welches er auf Tod und Leben in die Brandung hinaustreibt.