Schon steht der Haushofmeister neben dem Sprecher und verneigt sich sehr devot.

»Um Entschuldigung, Herr Leutnant! Wir mußten auf Befehl noch Plätze einschieben!«

»Hätten Sie auch mehr an der Ecke besorgen können!« zuckt Heidler in seiner rücksichtslosen Art die Schultern und fügt brüsk hinzu: »Na — es hilft nichts, Fräulein Gabriele, nehmen wir Platz! Ist ja schließlich auch gleichgültig.«

Die junge Dame nickt und lächelt, wirft den Fächer auf den Tisch und läßt sich müde auf den Stuhl nieder, daß die starren Seidenfalten unter dem duftigen Goldflor leise aufrauschen.

Ihr Blick trifft den Bär von Hohen-Esp, und die Augen blicken wieder so kalt — so unsagbar kalt und abweisend drein, daß all die frohe, heitere Zuversicht des jungen Grafen sich an ihnen zu Tode friert. Aber sie erwidert wenigstens durch eine kaum merkliche Neigung des reizenden Köpfchens seinen stummen Gruß.

Während der ersten Zeit hat Fräulein von Sprendlingen kein Wort und keinen Blick für ihren Nachbar, sie plaudert leise und lebhaft mit Herrn von Heidler, wie Guntram Krafft aus vereinzelten lauten Worten des jungen Offiziers entnehmen kann über Reiten und Sport.

Erst als das Gespräch allgemein wird und sich um die letzten Rennen dreht, welche der Dragoner mit viel Erfolg mitgeritten hat, wendet sich Gabriele recht gezwungen, ja beinahe widerwillig zu Graf Hohen-Esp und fragt ihn, ob er auch ein passionierter Reiter sei?

Ihre erst so leuchtenden Augen werden wieder so kühl und gleichgültig, daß den Gefragten dasselbe Gefühl der Befangenheit überkommt, welches ihn in Gabrieles Nähe kaum noch verläßt.

Das Blut steigt ihm in die Schläfen.