Thea zog die Brauen sehr ungnädig zusammen und folgte in denkbar schlechtester Laune. Welch ein Pech, daß der naive Neuling nicht rechtzeitig daran gedacht, sie zu engagieren — im Thronsaal sitzen ist just das, was Gräfin Sevarilles Ehrgeiz endlich einmal befriedigen würde.

Dennoch wird es ihr in diesem Augenblick klarer wie je, daß Graf Guntram Krafft es sein soll und muß, welcher sie das nächste Mal nicht nur an die Tafel der höchsten Herrschaften, sondern baldmöglichst auch als Herrin und Gebieterin in die Burg seiner Väter führen soll.

Daß die alte Bärin in derselben noch ihre despotische Herrschaft führt, beunruhigt Thea durchaus nicht, denn wenn sie erst an der Seite des gutmütigen und willenlosen Gatten zu befehlen hat, wird sich gar manches ändern!

Die junge Dame hat schon ihren Plan fix und fertig ausgearbeitet, und der moderne Parzival und Frau Herzeleide spielen eine verschwindend kleine Rolle darin.

Graf Guntram Krafft gefällt ihr ja ganz gut, ja, sie müßte lügen, wenn sie ihn nicht hübsch fände, aber Thea Sevarille ist viel zu modern erzogen, ist viel zu sehr ein Kind ihrer übervernünftigen Zeit, um dem Herzen jemals eine bestimmende Macht in ihrem Leben einzuräumen.

Alles, was sie denkt und tut, ist sehr vernünftig, und wenn zufälligerweise das Herz mit der Klugheit Hand in Hand geht, so ist es ein Vorteil mehr, mit welchem sie rechnen kann!

Aber zu der »ungeheuren Fröhlichkeit«, welche Herr von Stark für ihre »unterste Ecke« prophezeit hatte, steuerte sie an diesem Abend wenig bei.


Währenddessen hatte Guntram Krafft mit hochklopfendem Herzen hinter seinem Stuhl gestanden und Fräulein von Sprendlingen entgegengeschaut.

Am Arm des Herrn von Heidler nahte sie, das sonst so kühle und spröde Antlitz rosig überhaucht und seltsam belebt, die herrlichen, wundersamen Nixenaugen zu ihrem Partner erhoben, so strahlend und bewundernd, daß dem Bär von Hohen-Esp der Atem stockt. Und als sie ihre Plätze erreicht haben, mustert der Dragoner den unvermuteten Nachbar mit einem seiner finster blitzenden, beinahe beleidigend arroganten Blicke und sagt laut: »Na nu! was ist denn das? An Ihrer Seite hatte doch Hardenstein belegt, mein gnädiges Fräulein?« —