Wohin war er verschwunden?
Voll nervöser Unruhe schaute die junge Dame zuerst nach Gabriele aus und sah es zu ihrer großen Genugtuung, daß dieselbe am Arme Heidlers den Saal verließ.
Das beruhigte sie ein wenig, aber fatal war es momentan doch, daß sie über keinen Tischherrn verfügte.
Ein blutjunger Artillerist schaute sich suchend um und trat hastig näher.
»Sind Komtesse etwa nicht engagiert?«
»Selbstredend, — aber man scheint mal wieder Konfusion gemacht zu haben —«
»Darf ich gehorsamst bitten?« —
Etwas übellaunig und zögernd legte Thea die Hand auf den Arm dieses so sehr nichtssagenden und unbedeutenden Tischherrn. Seit zwei Jahren Leutnant! Gräßlich! So ein Gelbschnabel ohne jedweden goldenen Hintergrund rechnete bei ihr überhaupt nicht mit.
»Ich hatte mich mit Graf Hohen-Esp für denselben Tisch verabredet, Herr von Stark!« sagte sie schnell. »Der Graf ist fremd hier und wird gewiß hilflos umherirren und in den diversen Galerien nach mir suchen! Lassen Sie uns dem Ärmsten zu Hilfe kommen ...«
»Graf Esp? Haha ... moderner Parzival ... haha ... wird wohl schon seinen Platz an König Artus Tafelrunde gefunden haben! Müßte mich sehr irren, wenn er nicht von einem der Kammerherren in den Thronsaal beordert ist! Was denken Komtesse? Der Mann ist ja Landstand! Trotz seiner Hinterwäldlerart! — Die Güter verschaffen ihm Sitz und Stimme! — und wir ... haha ... in die Ecke, alter Besen! — Aber darum wollen wir in unserem Turmstübchen doppelt fidel sein! — Darf ich bitten, Gnädigste ... wir bekommen sonst überhaupt keinen Platz mehr!« —