»Ich bin ja nicht unbemittelt, Mama!«
Frau von Sprendlingen biß momentan wie in großer Nervosität die Zähne zusammen. »Gleichviel, du tust, wie ich dir befehle!« sagte sie kurz, voll ganz ungewohnter Strenge, klappte den Fächer zu und wandte sich mit liebenswürdigstem Lächeln wieder ein paar Damen und Herren zu, welche sie schon seit Beginn des Festes wie den Stein der Weisen gesucht hatten! —
Man hatte sich zu Tisch gesetzt.
Gräfin Thea bemerkte es zu ihrem großen Verdruß, daß Graf Hohen-Esp sie nicht engagierte, so nahe sie es ihm auch gelegt hatte, daß sie das Souper »vorsichtigerweise« noch freigehalten habe.
Guntram Krafft reagierte nicht darauf. — Als er direkt nach seiner Extratour mit ihr zu Gabriele schritt und »beinahe« mit ihr getanzt hätte, grub Gräfin Sevarille die Zähnchen recht ärgerlich in die Lippen.
War denn der naive Schwärmer unverbesserlich, daß er so schnell den fatalen Eindruck, den die »Verlobung« des Fräulein von Sprendlingen auf ihn gemacht, abschüttelte und nach wie vor nach einem Zipfelchen ihrer Schleppe haschte, um es als blinder Sklave durch die Saison zu tragen?
Seltsam, seine erst so melancholische Stimmung schien der strahlendsten Laune Platz gemacht zu haben, welche selbst der »entgleiste« Walzer mit der Angebeteten nicht zu trüben vermochte.
Der Graf kehrte ebenso heiter und guter Dinge zu ihr zurück, als wie er von ihr gegangen, schien absolut kein Verständnis für die kleinen Bosheiten zu haben, welche Thea so geschickt auf Fräulein von Sprendlingen in Anwendung brachte, und bei welchen ihr ein paar verblühte Präsidententöchter und ein sehr dicker Jagdjunker eifrigst sekundierten. Er stand während der nachfolgenden Française vor dem erhöhten Wandpolster und folgte dem Tanz mit sichtlichem Interesse, dann sprach er noch recht lebhaft mit einem Ministerialrat, und als Gräfin Thea für etliche Minuten durch eine sehr amüsante Konfusion in Anspruch genommen ward und danach wieder verstohlen nach dem Bär von Hohen-Esp ausschaute, war derselbe zu ihrem nicht geringen Schrecken spurlos verschwunden!
Gerade jetzt, wo es zum Souper ging und Thea sich schon einen scharmanten kleinen Trick ausgedacht hatte, um sich den bis jetzt so unhöflich verweigerten Arm des Grafen zu erzwingen.