»O, gewiß ... alles, was Gräfin befehlen ...«

»Gut, sagen wir also den ersten Walzer und das Souper! Bei Tisch ist man oft am ungestörtesten! Vergessen Sie es aber nicht! Das Souper und den ersten Walzer! — Selbstverständlich trete ich die Tänze an Gabriele ab, falls sie dieselben beanspruchen sollte, — aber nur an Gabriele, an niemand anders! O, Sie ahnen es nicht, Graf, wie gut ich es mit Ihnen meine!«

»Doch, Gräfin! Ich überzeuge mich ja ununterbrochen davon!« antwortete er mit warmem Dankesblick und erglühte abermals bei dem glückseligen Gedanken, daß Gabriele mit ihm tanzen könne, bis unter die lockigen Haare. »Ich vergesse Ihre gütige Zusage gewiß nicht! Wenn Sie derselben nur eingedenk bleiben möchten!«

Thea nickte ihm mit reizendem Lächeln zu und drückte seine Hand zum Abschied, und als Guntram Krafft in dem Wagen saß und nach dem Hotel fuhr, sah er im Geiste das herzgewinnende Gesichtchen der Gräfin beinahe deutlicher vor sich, wie das kalte und abweisende Antlitz Gabrieles, deren Worte ihn erbarmungslos verfolgten bis in den kurzen, unruhigen Schlaf hinein. — —

Am nächsten Vormittag gedachte der Graf von Hohen-Esp für jene Angelegenheit zu wirken, welche ihn ursprünglich hierher in die Residenz geführt.

Er wollte den Finanzminister aufsuchen, um ihn, wie der Ministerialrat gestern abend geraten, für die Anlage einer neuen Rettungsstation zu interessieren.

Er mußte lange warten, bis Seine Exzellenz einen Augenblick Zeit erübrigen konnte, und kaum, daß er ein paar einleitende Worte gesprochen, lächelt der alte Herr sehr verbindlich und reicht ihm die Hand.

»Ich ahne bereits, um was es sich handelt, mein lieber Graf!« sagte er, »und möchte Ihre und meine Zeit nicht unnötig in Anspruch nehmen. All diese Angelegenheiten, welche Sie da berühren, sind nicht meine Sache, — Sie dürften in erster Linie das zuständige See- oder Hafenamt interessieren! Gestatten Sie einen Augenblick, ich werde mich informieren und Sie allsogleich vor die rechte Schmiede schicken.«

Und Guntram Krafft wartete, und man schickte ihn weiter von Pontius zu Pilatus, und überall begegnete er viel Liebenswürdigkeit und viel höflichen Worten, — nirgends aber einer Zusage oder energischer Hilfe. Man schien die ganze Sache nirgends so recht ernst zu nehmen und mehr an eine müßige Spielerei oder ungerechtfertigte Ansprüche zu glauben.

Einer der Herren, welche beim Mittagstisch neben dem Grafen saßen, und welchem er sein Leid betreffs all seiner vergeblichen Bemühungen klagte, schüttelte lächelnd den Kopf. »Das Hamelwaat ist den Schiffen so gefährlich? Verzeihen Sie, Graf, ich habe noch nie von einer ernsten Havarie gehört, welche ein Fahrzeug dort erlitten.«