»Wie dürfte das zu verstehen sein, Herr Graf?«

»Die ganze Lage des Hamelwaats zwischen vorgestreckten Dünen und Sandbänken, welche ihre Beschaffenheit beinahe mit jedem hohen Seegang wechseln, die sehr zuwidern Strömungen, mit welchen gerade in seiner nächsten Umgebung zu kämpfen ist, machen diese meine kleine Küstenstrecke besonders gefährlich. Wenn ein Schiff aufläuft, so geschieht das meist sehr unerwartet und so gewaltig, daß wir, die beinahe ständig auf der Lauer liegen, um uns nicht überraschen zu lassen, kaum schnell genug zur Stelle sein können, um das Schlimmste abzuwenden. Meilenweit Boten schicken und dann warten, bis von fernher ein Wagen mit Rettungsboot und Mannschaft von keuchenden Rossen durch Sand und Schlick herangeschleppt wird, ist eine Unmöglichkeit! — Wenn ein Schiff tatsächlich Havarie erlitten hat, liegt es kaum noch in unserer, so schnell bereiten Kraft, die Mannschaft zu bergen, geschweige das Fahrzeug selber zu retten! Unsere hauptsächliche Aufmerksamkeit wendet sich daher einer vorbeugenden Hilfeleistung zu. — Wir leisteten mehr Lotsendienste wie Rettungsdienste bisher, wir suchten stets rechtzeitig zur Stelle zu sein, um einem arglos segelnden Schiff, welches sich in den Molochsrachen des Hamelwaats treiben ließ, Warnung und einen Lotsen an Bord zu bringen, welcher ihm half, in sicherem Fahrwasser seinen Kurs zu nehmen! Und weil wir so manchen Unfall noch rechtzeitig verhüten konnten, ist die Aufmerksamkeit der Strandbehörden noch nicht genügend auf die Gefährlichkeit jener Küstenstrecke gelenkt. Habe ich mich klar und verständlich ausgesprochen, sehr geehrter Herr? — Ich bemühte mich, mit Hintansetzung aller ›technischen‹ Ausdrücke nur möglichst anschaulich zu reden!«

»Das taten Sie, Herr Graf! Ich verstehe vollkommen, was Sie bezwecken und wünschen, und würde mit Freuden der erste sein, welcher Ihre so uneigennützigen Wünsche möglichst fördert. Aber, aber!!...« und der Sprecher zuckte sehr bedauerlich die Achseln und schwieg.

»Welch ein ›Aber‹? — läßt sich dasselbe nicht durch den guten Willen überwinden?«

Immer röter und röter stieg es in Guntram Kraffts Stirn, immer ungeduldiger blitzte sein Auge.

»Nein, Herr Graf! Gerade dieses ›Aber‹, welches man wohl Ihren Bemühungen als Schranke gegenüberstellen muß, ist das einzigste, welches sich selbst mit dem besten Willen nicht überwinden läßt —«

»Ah!?«

»Ich meine das Geld!«

Der Bär von Hohen-Esp neigte jäh das erst so stolz und fragend blickende Antlitz.