Gabriele selber war eine Närrin und fanatisch genug, den Erben von Hohen-Esp einer idealen Schrulle zu opfern, — bis jetzt sah es tatsächlich aus, als ob sie nicht gewillt sei, Theas Pläne zu durchkreuzen, wenn dieses abstoßende Wesen nicht doch die berechnendste Koketterie war, um den naiven Parzival auf das äußerste zu reizen und desto sicherer zu gewinnen.

Thea glaubte es zwar nicht, denn sie hatte Gabriele als wahrheitliebend und aufrichtig kennengelernt.

Sie war ein spröder, stolzer, leidenschaftlicher Charakter, viel zu aufbrausend und heftig, um berechnend handeln zu können, viel zu ideal beanlagt und in ihre törichten Schwärmereien verrannt, um aus schnöder Gewinnsucht ihre Überzeugung aufgeben zu können!

Thea lacht ironisch auf.

»Das Herz eines heldenhaft mutigen Mannes und eine Hütte!« das genügt dem Fräulein von Sprendlingen, aber die Mutter! — die müßte eben keine Mutter sein, wenn sie nicht mit hundert scharfen Augen über der Tochter wachte und die Torheiten derselben mit allen Mitteln korrigierte!

Mit welch auffallender Liebenswürdigkeit begegnete sie dem Bären von Hohen-Esp!

Wie suchte sie so geschickt jeden fatalen Eindruck zu verwischen, welchen die rücksichtslose Tochter gemacht!

Herr von Heidler rechnet in den Augen der Mama gar nicht mit, denn sie sucht eine gute Partie für die Tochter.

Man sagt zwar, daß Sprendlingens recht vermögend seien, — freilich tauchen auch oft Gerüchte auf, daß sie sehr über ihre Verhältnisse gelebt und bei einem jüngst erfolgten Börsenkrach ganz bedeutend verloren haben sollen.