Mit bebenden Händen durchwühlt Thea den Inhalt der Schublade, das Licht flackert und wirft rötlich zuckenden Schein über ihr blasses, aufgeregtes Gesicht.

Hier die altmodische kleine Schreibmappe, welche alle Raritäten aus ihrer Backfischzeit, der Tanzstunde usw. enthält.

In ihr liegt auch der bedeutungsvolle Zettel Gabrieles verwahrt!

Die dünnen, feingliedrigen Finger mit den langgebogenen Nägeln streuen achtlos die welken Blumen, Bandschleifchen und Tanzkarten, die Haarlocken und Stammbuchverse auseinander.

Hier! zwischen mehreren engbeschriebenen Blättern einer ausgeschriebenen Rolle, »Die Gouvernante«, von Körner, liegt das Gesuchte! Theas Augen leuchten auf, sie faßt den Zettel fest, so krampfhaft fest, als fürchte sie, er könne ihr noch jetzt entrissen werden, wirft den vergilbten Kram hastig in die Schublade zurück und eilt auf den weichen Sohlen ihrer roten Morgenschuhe fröstelnd in das Schlafzimmer zurück.

Dort liegt sie wieder in den Kissen und starrt mit brennendem Blick auf die noch sehr deutliche Bleistiftschrift hernieder.

Vortrefflich! Gabriele hat ihren Namen genannt, sie hat die Zeilen gewissermaßen an Thea gerichtet.

Der Inhalt ist überraschend gut.

Klarer, deutlicher und beleidigender kann er beim besten Willen nicht gedacht werden.

O, er wird Eindruck machen!