Sie hoffte von Tag zu Tag auf seinen Kondolenzbesuch, — er blieb aus. —

Sie brachte es nicht über sich, nach ihm zu fragen, und so erfuhr sie erst heute zufällig durch eine befreundete Dame, daß Guntram Krafft am Morgen nach dem Hotelball Knall und Fall abgereist sei, ohne daß jemand einen Grund für diesen fluchtartigen Abschied wußte. Den Tod des Herrn von Sprendlingen habe er wohl gar nicht erfahren.

Tränen tiefster Hoffnungslosigkeit glänzten in den Augen der verwitweten Frau, und als Gabriele an ihre Seite trat, zärtlich den Arm um die Weinende zu legen, da schluchzte sie laut auf und flüsterte: »Ach, meine arme, arme Gabriele! Was soll nun aus dir werden?«

Das junge Mädchen hob das Antlitz wie in seligem Vertrauen zum Himmel, — es sah in all dem Leid so verklärt und ruhig aus, als sei ihr nie ein Zweifel an dem Glück der Zukunft gekommen.

»Er liebt mich, Mama!«

»Wer?« —

Da senkte Gabriele das Köpfchen.

»Hans Heidler! — O, Mütterchen, du ahnst es ja nicht, wieviel liebe Worte er mir noch auf dem letzten Hofball sagte, wie er mir die Hand drückte, wie unaussprechlich viel sein Auge mir gestand —«

»Sein Auge, aber nicht seine Zunge!« murmelte Frau von Sprendlingen bitter. — »Gabriele, glaubst du wahrlich, daß Heidler je an Heiraten gedacht — und daß er sogar jetzt noch daran denkt?«

Das junge Mädchen atmete hoch auf, preßte wie in begeisterter Versicherung die Hände gegen die Brust und nickte.