General von Sprendlingen war begraben, und in der Residenz wurde nur ein einziges Thema besprochen, die finanzielle Lage seiner Gattin und Tochter.

Wie ein Lauffeuer war es durch die Stadt gegangen, daß der alte Herr infolge einer ungeheuren Aufregung den Schlaganfall erlitten hatte.

Viele behaupteten, es sei längst kein Geheimnis mehr gewesen, daß der pensionierte Offizier spekuliert hatte, um den Ausfall des hohen Gehaltes durch reichere Zinsen auszugleichen.

Seine Damen sowohl wie er selbst waren so sehr verwöhnt, ein Bankkrach hatte ihm vor kurzem schwere Verluste gebracht — was Wunder, wenn der alte Herr dem Beispiel so vieler folgte, welche das Geld für sich arbeiten ließen, nachdem sie selber als verabschiedete Offiziere die Hände in den Schoß legen mußten?

Das Glück ist aber heutigentags noch dasselbe wetterwendische und launische Weib, welches es stets gewesen, und so wandte es Herrn von Sprendlingen treulos den Rücken, um seinen Goldregen über andere zu streuen, welche für den Augenblick seine Günstlinge waren.

Der General erhielt die verzweifelte Nachricht, daß alles verloren sei, just in dem Augenblick, als er sich anschickte, mit Frau und Tochter den Kavalierball im Hotel St. Petersburg zu besuchen, und sie traf ihn derart, daß er als ein zu Tode getroffener Mann unter ihr zusammenbrach.

Frau von Sprendlingen schien nicht ganz so unvorbereitet gewesen, wie man anfänglich angenommen; sie war gefaßter, als man glaubte, und Gabriele blickte so ruhig und zuversichtlich aus den tränenglänzenden Augen, daß man wohl annehmen konnte, ihre Zukunft sei durch eine nahe bevorstehende Heirat gesichert.

In Villa Monrepos vollzog sich voll grausamer Hast und Nüchternheit die traurige Wandlung, welche derartigen Ereignissen zu folgen pflegt. Die notwendige Auktion hatte stattgefunden, und die Damen bereiteten sich zur Abreise vor; denn da sie über keine weiteren Mittel als die karge Witwenpension verfügten, schien es fraglich, ob sie ein eigenes Heim in der Residenz gründen konnten. Vorläufig folgten sie der Einladung einer kinderlosen Verwandten, welche Frau von Sprendlingen und Gabriele für die Dauer des Trauerjahres zu sich gebeten hatte.

Zum letztenmal saßen Mutter und Tochter in den liebgewordenen Räumen, in welchen sie so viele, glückliche Jahre verlebt, beisammen. Von allen Seiten waren ihnen viele herzliche Zeichen von Liebe und Teilnahme geworden, und fast ununterbrochen kamen und gingen die Visiten, — lauter gute Freunde, welche den so allgemein beliebten Damen vor dem Abschied noch die Hand drücken und ihnen Hilfe, Rat und Tat anbieten wollten. Frau von Sprendlingen stand am Fenster, und ihr erst so ruhiges, bleiches Antlitz sah plötzlich so verstört, so verzweifelt und verfallen aus, als sei eine letzte Hoffnung, welche sie im Herzen gehegt, für immer vernichtet worden.

In der ersten Zeit des Schmerzes und der Aufregung hatte sie an den Grafen von Hohen-Esp gedacht wie an einen Retter in der Not, welcher sicher kommen muß, das bitterste Elend von ihnen abzuwenden.