Zwei Tage und Nächte lang waren sie ohne Nahrung gewesen, ihre Lage in der Takelage bei Sturm und bitterer Kälte bedeutete eine geradezu unbeschreibliche Qual.
Gräfin Gundula ließ die Geretteten nach Hohen-Esp schaffen und nahm ihre erfrorenen Glieder in Pflege, bis ein Arzt zur Stelle war.
Diese heldenmütige Rettung wurde bekannt. Guntram Krafft und seine Lotsen erhielten die Rettungsmedaille und ein ansehnliches Geldgeschenk, und mit leuchtenden Augen stürmte der Graf in das Zimmer seiner Mutter: »Nun können sie heiraten! Ich habe meinen Anteil an Jöschen abgetreten, dann reicht's zur Ausstattung, und den kleinen Katen am Seehaus habe ich ihm ja schon lange versprochen, den kann er sich in Gottes Namen zur Wohnung einrichten!«
»Jöschen will heiraten?« fragte die Gräfin überrascht; »davon ahne ich nichts; wen hat er sich zum Schatz genommen?«
»Nun, die Mike! — Die beiden sind doch schon seit Kindesbeinen an Brautleute!« lachte der Bär von Hohen-Esp. »Wie manch liebes Mal hat der Jöschen ihr seinen Apfel geschenkt, und als er von der Marine zurückkam, brachte er ihr schon den Ring mit. Es sollte nur nicht laut werden, bis sie Aussicht hatten zu freien, — sind ja beide so blutarm! Aber nun ist das Geld beisammen, und ich denke, sie warten den Mai kaum ab!«
Gundula blickte starr in das frisch gerötete Antlitz des Sohnes.
Mike heiratet den Jöschen! Und Guntram Krafft erzählt es ihr mit lachendem Munde. Nein, so sieht keiner aus, der selber in das Mädel verliebt ist.
Nachdenklich senkt die Gräfin das Haupt, ihr Sohn aber setzt sich nahe an ihre Seite und nimmt zärtlich ihre Hand zwischen die seinen.
Er sieht sie an, — so kindlich bittend wie stets, wenn er etwas auf dem Herzen hat.
»Mutter!« —