Da gab es keine müßige Zeit mehr, da war es vorbei mit dem wehmütigen Sinnen und Grübeln!

Täglich fast gab es schwere Arbeit!

Schiff in Not! — — Und der Bär von Hohen-Esp reckte voll kühnen Muts die Pranken, scharte seine Getreuen um sich und warf sich in tollem Wagemut gegen die brandende Flut, der Tiefe ihre Opfer zu entreißen.

Die Kälte ward von Tag zu Tag grimmiger, am Hamelwaat knirschte das Eis ... das war die böseste Zeit.

Zwei Tage lang lag der Nebel dick und fest wie ein Brett vor der See; als ihn ein neu einsetzender Sturm auseinanderriß, stürzte ein Schiffer zur Burg und meldete, daß aus dem Waat das Wrack eines gesunkenen Schoners rage. In den Masten sei noch Mannschaft zu erkennen. Das war ein fürchterlicher Tag und eine grauenvolle Fahrt! —

Das erste Boot zerschellte in der Brandung, und Guntram Krafft und seine freiwilligen Lotsen konnten selber kaum geborgen werden; doch kaum, daß sich die Erschöpften erholt, bemannte der Graf ein zweites Boot, welches er in aller Eile zweckmäßig eingerichtet hatte.

Er ließ den fehlenden Luftkasten durch leere Fässer, welche möglichst gut verspundet und unter die Duchten gelascht wurden, ersetzen, ließ Ballast einlegen und einen Lenzsack nachbugsieren, um das Boot möglichst vor See zu halten und ein Beidrehen zu verhindern.

Dann ging es mit frischem Mut abermals hinaus, und nach zweistündiger schwerer Arbeit brauste das jubelnde Hurra der Heimkehrenden durch das Heulen der Flut. Sie hatten sechs Mann eingeholt. —

Kaum, daß man die Schiffbrüchigen noch zu den Lebenden zählen konnte.