Er antwortete nicht direkt auf diese Frage, sondern er strich sich langsam die blonden Haare aus der Stirn.

»Ich bekam Heimweh, Mutter!« sagte er leise, mit einem beinahe schwermütigen Klang in der Stimme, »es gefiel mir nicht zwischen all den fremden Menschen. Ich kam mir so überflüssig, so vereinsamt dort vor. Ihre Interessen sind nicht die meinen, ihre Sitten und Ansichten sind neu, die meinen alt. Ich verstehe das Tanzen und Plaudern gar nicht, oder doch sehr schlecht im Vergleich zu den andern Herren. Die Leute waren nicht unfreundlich zu mir, aber auch nicht so, daß ich mich tatsächlich unter ihnen wohlgefühlt hätte. — Dazu wehte der Sturm so vorwurfsvoll daher und mahnte mich, da es gerade jetzt viel ernste Arbeit daheim gäbe. — Da hielt es mich nicht länger. Ich sehnte mich heim zu dir, Mutter, — hier ist mein Platz! Du hast mich lieb ... gleichviel wie ich bin!« —

Die letzten Worte klangen noch leiser und wehmütiger wie zuvor, und Gundula trat neben seinen Sessel und drückte voll weicher Innigkeit das Haupt des Sohnes an die Brust.

Ihr Blick ward nachdenklich und verschleiert, wie eine bange Sorge kam es plötzlich über sie.

Waren dies die Früchte, welche sie von ihrer starren und eigenwilligen Erziehung erntete? Hatte sie ihr Kind der Welt und dem Leben so völlig entfremdet, daß es nun einsam und verlassen blieb, sein Leben lang? Wiederum durchbebte die alte Bitterkeit ihr Herz.

Hatte sie darum zeitlebens gearbeitet und rastlos geschafft, die verlorenen Güter zurückzuerwerben, um ihren Sohn als trübseligen alten Junggesellen darauf zurückzulassen? Oder war es eine heimliche Kinderliebe, welche Guntram Krafft so fest und treu im Herzen saß?

Er hatte stets so gern mit Mike, der blonden kleinen Fischerdirne gespielt, — er hatte als Jüngling im Dorfkrug mit ihr getanzt ... wäre es möglich, daß er sein Herz an sie verloren, trotzdem die Gräfin ihn so sorgsam in den Ansichten, Manieren und Pflichten seines Standes erzogen hat? —

Gundula seufzte tief auf.

Je nun, mußte sie das Glück für ihr Kind auch tief, tief von unten heraufholen ... es soll ihm werden, — besser er freit ein Fischermädchen, als keine.

Die anfänglich so schwermütige Stimmung des jungen Grafen schwand von Tag zu Tag. Der Sturm heulte daher und schien nur auf die Rückkehr Guntram Kraffts gewartet zu haben, um seine gewaltige Kraft mit der des Bären zu messen!