Ach, ihr Schicksal, ihre Zukunft sind ihr so gleichgültig geworden.
Seit sie, kaum drei Wochen nach ihrem Scheiden aus der Residenz, Herrn von Heidlers Verlobung mit Henny, der reichen Erbin, las, und sehr bald danach durch den Brief einer Freundin aus der Heimat erfuhr, daß die Hochzeit des schneidigen Dragoners trotz der großen Jugend der Braut schon in den ersten Tagen des Mai stattfinden solle, — war die Welt leer und tot für sie geworden.
Der Mann, welchen sie bewundert, verehrt, vergöttert hatte, trat ihr Herz voll egoistischer Rücksichtslosigkeit unter die Füße. —
Er, der kühne, mutige und unerschrockene Held, war zu feige gewesen, den Kampf um die Existenz an der Seite eines geliebten Weibes aufzunehmen. — Und diese Entäuschung traf Gabriele herber als der Verlust ihres eigenen Glückes.
Als Guntram Krafft so unvermutet schnell nach Hohen-Esp zurückgekehrt war, ruhten die Augen der Gräfin voll bangen Forschens auf dem ernsten Antlitz des Sohnes, als könne sie die Gedanken hinter seiner Stirn lesen und die Gründe erforschen, welche ihn so plötzlich heimgetrieben.
»Warum kommst du schon jetzt zurück, Guntram Krafft? Ist dir etwas Unangenehmes begegnet?«
Er blickte ihr, ganz gegen seine Gewohnheit, nicht in die Augen.
»Wenn du alle gescheiterten Hoffnungen betreffs einer eigenen Rettungsstation unangenehm nennst, dann freilich ist mir viel Ärgerliches begegnet!«
»Und nur darum bist du Hals über Kopf abgereist?«