Dem jungen Mädchen war es plötzlich so feierlich, als stünde es in der Kirche.
Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust, ihre Wangen färbten sich höher, und ihr Herz, welches seit jeher so begeistert für Mannesmut und Heldentum geschlagen, hämmerte in ihrer Brust.
Und während Gundula an das Fenster trat, um es für kurze Zeit zu öffnen, stand sie und blickte wie im Traum zu Wulffhardts jungem Heldenantlitz empor.
Ja, er glich Guntram Krafft ... und doch ... nein! da war dennoch keine Ähnlichkeit!
Hier der kühne, mutige Blick mit den blitzenden Augen und der stolzen Haltung — er hatte nichts gemein mit dem schüchternen, errötenden Nachkommen, welcher nichts ist, nichts leistet ... welcher nur behaglich hinter dem Ofen sitzt und erntet, was die Mutter gesät!
Gabriele faltet bei diesem Gedanken unmutig die Stirn, wendet sich hastig und folgt der Gräfin, welche ihr zu der Waffenhalle vorausschreitet, vor deren schmiedeeisernen Tür zwei wirkliche, echte Bären, ausgestopft, staubig und mottenzerfressen, aber dennoch durch ihren Anblick Grausen erregend, die Wache halten.
Von Tag zu Tag gewann Gabriele die Gräfin lieber, und auch Gundulas Herz schlug immer wärmer und zärtlicher für das anmutige Mädchen, an welches sich ihre liebsten und geheimsten Zukunftspläne knüpften.
Der fast ununterbrochene Verkehr im einsamen Hause führte die Menschen schneller zusammen und gestaltete auch das Verhältnis zwischen Gundula und ihrem jungen Gast von Stunde zu Stunde inniger.