»Sie waren ihm schon bekannt?«
»Durch einen kleinen Unfall, welchen ich mit dem Schlitten auf der Straße der Residenz erlitt. Der Graf kam mir zu Hilfe, richtete den Schlitten auf und sammelte mich aus dem Schnee empor!« — Gabriele lächelte.
»Ich dankte meinem Retter in der Not, doch stellte er sich in der Eile nicht vor und erfuhr auch meinen Namen nicht!«
»Und dann sahen Sie sich erst auf dem Hofball wieder?«
»Einmal saß mir der Graf noch im Theater gegenüber, doch lernten wir uns dort nicht kennen.«
Die Burgherrin von Hohen-Esp fragte noch so mancherlei, und Gabriele erzählte von dem Leben und Treiben in der Residenz. Sie kannte so viele Menschen, für welche sich die Gräfin noch lebhaft interessierte, und so legten die Damen den Spaziergang in sehr angeregter Unterhaltung zurück.
In der darauffolgenden Nacht lag Gundula mit weitoffenen Augen schlaflos in den Kissen. Ihre Wangen brannten in heißem Rot, und ihre Lippen lächelten.
Eine außerordentliche Aufregung hatte sich der einsamen Frau bemächtigt, seit sie durch Gabriele erfahren, daß Guntram Krafft sie bereits kannte.
Da war es, als ob plötzlich ein Schleier vor ihren Augen zerrissen sei.