»Für ihn nicht, bewahre! Aber für die Seefahrer! Und wenn was passiert wäre — meinte noch gestern der alte Klaaden — so hätten sie mit den neuen Apparaten doch noch nicht ohne den Grafen zuwege kommen können!«

»Ah — der Graf unterweist sie darin?«

»Wer anders denn er! — Ja, wenn der junge Herr nicht wäre, gnädiges Fräulein!«

Gabriele sah zwar noch nichts so Unersetzliches und kein so gewaltiges Verdienst darin, die Fischer ein wenig anzuleiten, aber sie nickte zustimmend und schritt weiter nach dem kleinen Küchengarten, welcher im hellen Sonnenschein seine jungen Kräutlein und frischerschlossenen Kirschblüten badete. Fern sah sie einen Strich der blauen See glänzen, so still und blau, wie sie damals in Heringsdorf vier Wochen lang gelegen, und sie schüttelte gedankenvoll den Kopf und begriff es nicht, daß dies glatte Wasser so gefährlich und unheimlich sein sollte.


Da es in dem großen, hallenartigen Speisezimmer noch kalt war, brannte ein loderndes Kaminfeuer, und Gräfin Gundula hatte ihren Sessel nahe hinzurücken lassen und verlangte nach ihrem Spinnrad.

»Ich kann es nicht ertragen, die Hände so müßig zu falten!« antwortete sie auf Gabrieles besorgte Bitte, heute ruhig zu bleiben, und als das Rad fröhlich schnurrte und der Faden lief, ließ das junge Mädchen die feine Stickarbeit sinken und blickte mit leuchtenden Augen zu.

»Wie schön! Wie poetisch das ist! O, das möchte ich auch lernen, Frau Gräfin!«

»Gewiß, liebe Gabriele, meine Mägde spinnen alle und können Ihnen sogleich ein Rad leihen! Ich bin so sehr für das eigengesponnene Leinen! Es ist derb und hält bedeutend länger als gekauftes Gewebe, namentlich in der Küche und für das Gesinde ist es durchaus praktisch!«

»So darf ich mir ein Rad holen?«