Seitlich und im Hintergrund des Schuppens waren alle erforderlichen Apparate und Gegenstände aufgestellt oder an Gestellen aufgehängt.
Die volle Ausrüstung der bedienenden Mannschaft, welche sich aus den wackeren, unerschrockenen Fischern rekrutierte, und von ihrem selbstgewählten Kommandeur, dem Grafen Hohen-Esp, befehligt wurde, die Rettungsgeschosse verschiedener Art, Raketen, Mörser und Handgewehre, Seelenretter, Korkjacken, Gürtel, Schläuche, Riemen, Schlepper, Segel und Loggleinen, Kompaß, Fernrohr und Handlot, Ölfaß, Eimer, Pfropfe und Reservedollen, Beil, Anker und Signalflaggen.
Gabriele konnte kaum so schnell schauen, als wie der junge Lotsenkommandeur an ihrer Seite mit blitzenden Augen erklärte und beschrieb, und während sie seinen Worten lauschte, streifte ihr Blick sein lebhaft erregtes Antlitz, und sie begriff es nicht, daß es dasselbe war, welches vor wenig Augenblicken noch in träumerischem Schwärmen hinaus auf die blaue See geblickt, dasselbe, welches im Ballsaal so weibisch schüchtern errötete und mit beinahe blöden Augen um sich schaute. Hier reckte und dehnte der Bär von Hohen-Esp die kraftvollen Arme, hier hob er schwere Lasten wie eine Feder hin und her, hier schritt er fest und selbstbewußt in den schweren Fischerstiefeln über einen Grund und Boden, welchem er aus eigener Kraft eine edle und hohe Bedeutung gegeben hatte. Warum hatte ihr kein Mensch zuvor gesagt, daß sich Guntram Krafft die Rettungsmedaille verdient? Warum heftete er sie nicht voll Stolz auf die Brust, so wie Heidler seinen Orden trug? — Und der war nur ein Kreuzlein, welches ihm ein königlicher Gast des Herzogs, bei dem er als Ordonanzoffizier Dienst tat, in Gnaden verliehen hatte!
XXI.
Der Lenz hatte einen außergewöhnlich frühen Einzug gehalten, und wenn auch die Tage sonnenhell und warm waren, so strich doch am Abend eine noch recht empfindlich kühle Luft von der See herüber und machte den Aufenthalt in warmen Zimmern notwendig.
Guntram Krafft hatte sich anfänglich sogleich nach dem Abendessen empfohlen.
Er saß mit seinen Zeitungen und Büchern in seinem stillen Zimmer, stützte das Haupt träumend in die Hand und las nicht.
Oft war er voll nervöser Unruhe aufgesprungen und noch einmal hinaus in den Wald oder hinab an den Strand gestürmt, aber Ruhe für sein Herz fand er auch dort nicht, wo der silberne Mondschein so bleich und kühl auf den Wogen spielte und ihm immer dasselbe Bild vor die Seele zauberte, Gabriele! —
Je länger er mit ihr zusammenweilte, desto tiefer und inniger ward seine Liebe zu ihr, obwohl seine leidenschaftliche Erregung nachließ und ihr heiteres, gleichmütiges Wesen auch ihm Ruhe und Unbefangenheit gab.