»Spinnen? Sie lernen spinnen?«
Guntram hob ganz betroffen den Kopf, als habe er nicht recht verstanden, Gabriele aber räumte die gemalten Wappenhumpen, aus welchen man zuvor ein Warmbier getrunken und welche Anton soeben wieder aus der Küche zurückbrachte, in den uralten Kredenzschrank und sang lachend, ohne sich umzusehen:
»Ich kann stricken,
Ich kann flicken,
Feines Leinen
Kann ich spinnen ...
So fein, Graf, daß man fürerst noch Kettenhemden daraus schmieden kann!«
Guntrams Augen leuchteten.
»Da ich Ihnen diese Kunst doch nicht ablerne, so können Sie dieselbe neidlos in meiner Gegenwart ausüben!« scherzte er, rückte sich einen kleinen Tisch herzu, breitete die Zeitungen aus und nahm in einem der Rittersessel davor Platz.
Gabriele aber entzündete selber eine kleine Stehlampe, welche neben ihr auf dem Serviertisch stand, hielt sie, einen Augenblick sie stumm betrachtend, in der Hand und stellte sie dann vor dem Grafen nieder.
Dieser dankte durch eine höfliche Verbeugung, griff schweigend nach den Zeitungen und schien schon im nächsten Augenblick völlig in ihre Lektüre vertieft.
Aber er las nicht.