Das junge Mädchen neigt sich unwillkürlich vor und schaut hinab.
Der Mond scheint so hell, sie erkennt jeden Grashalm am Wege, und jene Gestalt, welche naht ... wer ist das?
So hoch ist nur einer in der Burg gewachsen, so stolz und elastisch schreitet nur ein Herr unter Knechten!
Es ist Guntram Krafft!
Aber wie seltsam sieht er aus?
Ist's ein Scherz, daß er sich so kostümiert hat, wie man es an den Fischern und Lotsen auf Seebildern so malerisch dargestellt sieht? Nein, dem Grafen Hohen-Esp war es heute gewiß nicht nach Scherzen zu Sinn! Der breite Südwester sitzt ihm weit im Nacken und gibt seinem Antlitz einen eigenartig verwegenen Ausdruck, die Fischerjacke steht über der Brust offen, das weiße Hemd leuchtet breit hervor und fällt in weichem Streifen über den Halskragen hinaus.
Die hohen Wasserstiefel reichen bis über die Knie empor, aber sie sehen nicht plump und häßlich aus, sondern geben der schlanken Gestalt etwas Keckes und Ritterliches, obwohl der Gang sehr ruhig und ernst erscheint.
Mit weitoffenen Augen starrt Gabriele hinab.
Ja, so schaut ein Seemann aus! —
Sie hat früher die Gemälde kaum beachtet, welche ein Stück Seemannsleben vorstellten, sie las keine Romane über Schiffervolk und Matrosen ... was interessierte sie, die Residenzlerin, solch eine fernliegende Welt!