Jetzt mit einem Mal deucht es sie, als habe sie viel, sehr viel versäumt.
Die Schritte drunten verhallen, die Schatten des Gebüsches decken die hohe Männergestalt. Graf Guntram Krafft will mit seinen Fischern hinaus zum Fang fahren, er stellt seine starken Arme in den Dienst der Seinen, so wie sie zu ihm stehen, wenn er sie aufruft zu Schutz und Trutz der Gefährdeten.
Gabriele hat sich das nie so recht vorstellen können, jetzt aber ist es ihr, als ob ein ahnungsvolles Verstehen in ihrem Herzen aufdämmere.
Kreist vielleicht jener Tropfen wilden Bärenbluts dennoch in seinen Adern?
Er schritt still und ernst vorbei, er hob nicht das Haupt und blickte nicht empor zu ihr, und doch wußte er, daß diese Fenster ihrem Zimmer angehörten.
Langsam wich Gabriele zurück.
Drunten rauschten die dunklen Waldwipfel leise im Hauch der Nacht, und fernher glänzte die See wie ein silbernes Märchenland. —
XXII.
»Nun wird es mit dem schönen, stillen Wetter vorbei sein!« sagte die Gräfin an dem Nachmittag des andern Tages: »der Wind hat aufgefrischt, und die See setzt kleine Kämme auf! Ich denke mir, mein Sohn wird dies Wetter benutzen, um mit dem neuen Segelboot hinauszugehen, er wartete auf eine frische Brise, um es ausprobieren zu können.«