Gundula lacht und kehrt das junge Mädchen dem Fenster zu.

»Lassen Sie sehen, wie Ihnen diese Extravaganz bekommen ist! Nun ja ... blaß, wie eine weiße Rose! Das konnte ich mir schon denken! Ich begreife meinen Sohn nicht, daß er Sie zum erstenmal bei Wind hinausgefahren hat! Schnell trinken Sie ein Glas Wein, damit Sie wieder Farbe bekommen!«

Jähe Glut stieg in Gabrieles Wangen, sie bemühte sich, so harmlos und heiter zu plaudern, wie sonst, und empfand es doch, daß es ihr heute nicht so leicht wurde, wie zuvor.

»Ihr Herr Sohn war völlig unschuldig, gnädigste Gräfin, und nur ein Opfer seiner großen Liebenswürdigkeit, welche ich hart auf die Probe stellte.« —

»Ah — so war es Ihr Wunsch, zu fahren?« unterbrach die Herrin von Hohen-Esp und sah noch erfreuter aus, wie erst: »Hat es unser schönes Meer Ihnen nun doch angetan?« —

»Es war in seiner Erregung entschieden viel berückender, wie in seinem dolce far niente!« lachte das junge Mädchen und trat noch weiter aus dem Fensterlicht zurück in die dämmrige Halle: »Ja, es war so herrlich anzusehen, daß mich das unwiderstehliche Verlangen ankam, mich einmal mutig hinauszuwagen. Der Graf kam mir just in den Weg, und da er die Gutmütigkeit der Hohen-Esp mit dem Bärenblut geerbt, so erfüllte er stehenden Fußes meinen unbescheidenen Wunsch!«

»Er wird sich gewiß sehr gefreut haben! Man kann ihm ja nichts Lieberes antun, als Interesse für die See und alles, was ihr angehört, zu zeigen!«

»Jedenfalls verstand er es meisterlich, sich in das Unvermeidliche zu fügen!«

»Und wo blieb er? Brachten Sie ihn nicht mit zurück?«

»Nein, liebe Burgfrau —« Gabriele neigte das Köpfchen und küßte beinahe zärtlich die Hand der alten Dame, welche sich auf ihre Schulter legte — »er muß nun erst wieder die Unordnung beseitigen, welche mein Übermut unter seinen Segeln, Riemen usw. im Boot geschaffen! Ich glaube, der edle Renner soll erst für die Nacht in den Stall geschafft werden!«