Gundula nickte heiter. »Der Wind scheint tüchtig aufzufrischen, da werden sie zur Nacht wohl alles am Strande bergen wollen, falls eine stärkere Boe einsetzt! Wie war Ihre Fahrt? Erwiesen Sie sich seetüchtig?«

»Es schaukelte furchtbar, und ganz unter uns gesagt, Frau Gräfin, ich habe mich schrecklich gefürchtet! Wollte mich nur nicht allzusehr vor dem Grafen blamieren, sonst wäre ich sehr bald wieder ausgestiegen, als ich merkte, wie hoch die Wellen gingen!«

»Fürchten? Wenn Guntram Krafft die Ruder führt?« — Wie ruhig, wie stolz und zuversichtlich klangen diese Worte. —

Gabriele neigte das Köpfchen: »Der Graf ist gewiß sehr stark und kräftig, aber gegen Sturm und Meer aufkommen, vermag schließlich niemand, und ich glaube, Ihr Herr Sohn wußte es anfangs selber nicht, wie arg der Wind war, sonst hätte er vielleicht die Fahrt gar nicht unternommen!«

Nun lachte die Gräfin ebenso laut auf, wie zuvor Guntram Krafft, als sie von dem Sturm gesprochen.

»Ich wünschte nur, Sie erlebten bald einmal das, was wir hier ›grobe See‹ nennen!« sagte sie dann mit seltsam leuchtendem Blick. »Ich glaube, Sie kennen bisher weder einen echten, rechten Seesturm, noch das Meer, wenn es zornig wird, noch den Bären von Hohen-Esp, wenn er beiden die Zähne weist. — Was bringen Sie, Anton? — Wollen Sie Licht anstecken? Wir warten mit dem Abendbrot auf den Herrn Grafen.«

Die Sprecherin war zu dem Kredenzschrank getreten, ein kleines Spitzglas voll Tokayer für Gabriele zu füllen, der alte Kammerdiener aber verneigte sich respektvoll und nahm eilig ein Tablett, dem gnädigen Fräulein den Wein zu servieren.

»Halten zu Gnaden, Frau Gräfin. Soeben bringt einer aus dem Dorfe die Nachricht, daß der Herr Graf nicht rechtzeitig zum Abendbrot kommen könne. Man wisse nicht, was die Nacht bringe, und es seien mancherlei Vorbereitungen zu treffen. Der Herr Graf lassen die Damen bitten, allein den Tee zu trinken, da es spät bis zu seiner Rückkehr werden könne.«

»Gut, Anton; ich dachte es mir schon. Es ist zwar noch keine telegraphische Sturmwarnung an meinen Sohn eingetroffen, aber der Seemann versteht sich schon auf die Anzeichen, welche Vorsicht gebieten. So stecken Sie die Lampe an und sagen Sie der Mamsell, daß für uns angerichtet werde.«