Und zog dann Glück und Wonne
In meine Seele ein,
Dann glänzten seine Wogen
Wie heller Edelstein!
Es kräuselte ein Lächeln
Sein leuchtend Angesicht
Am Auge blitzten Tropfen
Wie eitel Sonnenlicht! —
So ist das Meer gewesen
Mein Freund in Glück und Leid,
Drum bleib' ich ihm ergeben
in Liebe allezeit!
Aus »Schiffslieder« von Gabriele von Rochow
geb. v. Pachelbl-Gehag
I.
»Wenn ein Mädchen einen reichen Mann bekommt, ist es immer glücklich verheiratet!« hatte der alte Kammerherr von Wahnfried gesagt und dabei die weißbuschigen Augenbrauen noch grimmiger zusammengezogen wie sonst. »Gundula kann Gott danken, daß der Bär von Hohen-Esp sie zum Weibe begehrt! Ist wohl kein Nest so weich gepolstert wie das seine, und wenn man den Grafen ansieht, lacht selbst solch altem Kerl wie mir das Herz im Leibe; wieviel mehr meiner jungen Tochter, die sich ihr Männerideal nach Romanbüchern gebildet hat! Na, und in den Büchern sind die gräflichen Freier meist jung, schön, reich und ritterlich, just so wie Friedrich Karl von Hohen-Esp!« —
Die alte Dame, welche dem Sprecher gegenübersaß, richtete sich noch straffer empor und legte die großen, kräftigen, schneeweißen und ungeschmückten Hände im Schoß zusammen.
Ihre klaren, durchdringend ernsten Augen hefteten sich ruhig auf die hünenhafte Gestalt des Bruders, welcher auf seinen Krückstock gestützt vor ihr stand und sie schier herausfordernd anblickte.
»Jung, schön, reich und ritterlich!« wiederholte sie langsam, »ja, das ist er, — aber er ist noch mehr, und dieses ›mehr‹ will mir nicht behagen.«