»Und das wäre, meine Allergnädigste?« Der Kammerherr mußte sich des gichtgeschwollenen Fußes wegen auf den Stock stützen, er konnte nicht den grauen Schnauzbart seiner Angewohnheit gemäß mit ungestümem Ruck emporstreichen, aber seine Muskeln arbeiteten desto kräftiger in dem scharfgeschnittenen Gesicht, so daß sich die starren Haare auf der Oberlippe sträubten wie in zornigem Aufbegehren.
Alle fürchteten dieses Anzeichen bei dem alten Herrn, nur Fräulein Agathe von Wahnfried nicht. Sie glättete mit der Hand die rauschenden Seitenfalten ihres Kleides und antwortete voll unerschütterlicher Ruhe: »Graf Friedrich Karl ist leichtsinnig. Er ist durch und durch Lebemann, — die große Welt, in welcher er, der Frühwaise, so jung schon, selbständig ward, droht sein Verderben zu werden.«
»So! — Inwiefern, wenn man fragen darf?«
»Weil er sich ruiniert, — weil er über seine Verhältnisse lebt!«
Der Kammerherr lachte hart auf.
»Ein Hohen-Esp sich ruinieren! Ein Hohen-Esp über seine Verhältnisse leben! — Ahnst du, wie reich der Mann ist?«
»Man kann in einer einzigen Nacht Hunderttausende verspielen!«
»Tut er aber nicht!«
»Tut er doch! — Der Graf ist ein leidenschaftlicher Spieler. Möglicherweise hat er bis jetzt Glück am grünen Tisch gehabt, — wenn das aber einmal aufhört, wird er sich und die Seinen rücksichtslos an den Bettelstab bringen!«
»Lächerlich! — Es gibt keinen vernünftigeren Mann wie Hohen-Esp! Bei Whist und Ekarté macht man sich nicht bankrott! Ich als Mann dürfte wohl mit den Gepflogenheiten des Grafen besser Bescheid wissen, wie eine alte Jungfer! Was in deinen Weiberkaffees zusammengeklatscht wird, kümmert mich nicht!«