»Ich habe nie mit einer Dame über den Freier deiner Tochter gesprochen!« Fräulein Agathe von Wahnfried sah weder gereizt noch beleidigt aus, ihr großes, gradliniges Gesicht blieb so ruhig und energisch wie stets. »Hast du dich bei seinem ehemaligen Regimentskommandeur erkundigt?«
»Nein!«
»Weil du es leider für überflüssig hieltest. Daß der Graf Hohen-Esp ein Spieler ist, pfeifen die Spatzen auf dem Dache.«
Der alte Herr stieß seinen Krückstock ingrimmig auf das Parkett. »So; gut; — ein Spieler. Und was noch weiter? Vielleicht ein Säufer? Ein Weiberheld ... ein Totschläger ...? He? — Nur hübsch weiter im Text!«
»Von diesen genannten Eigenschaften ist mir nichts bekannt, — im Gegenteil, man lobt den jungen Mann als einen sonst sehr liebenswürdigen und ehrenhaften ...«
»Na, also! Wozu denn das ganze Lamento! Verlangst du etwa, daß ich ihm einen Korb geben soll, lediglich, weil er mal in fideler Gesellschaft ein Spielchen macht?!« — und Herr von Wahnfried nahm seine Promenade durch den Salon wieder auf, daß der Krückstock auf dem Parkett dröhnte.
»Das wäre mir freilich das liebste, denn das ganze Lebensglück unseres Lieblings einem Spieler anvertrauen ...«
»Blödsinn! Infamer Blödsinn! Du bist eifersüchtig, du willst das Mädel überhaupt nicht fortgeben ...«
»Einem Mann, der mir eine glückselige, sorgenfreie Zukunft garantiert — sofort! Aber dem Grafen von Hohen-Esp ...?! Nein; wenn du mich fragst, sage ich tausendmal nein, denn ich weiß, daß sie einem namenlosen Elend entgegengeht!« —