»Sieh mal an! — Namenloses Elend! — Nette Zukunftsmusik! Haha!... Na, und was sagt Gundula selber zu dem riesengroßen Waschkorb, welchen du für ihren Freier bereitstellst?«

Da seufzte die große resolute Frau zum erstenmal schwer auf, und über das ernste Gesicht zog es wie tiefe Schatten.

»Gundula ist verblendet!« sagte sie leise, »sie ist ebenso wie alle anderen von der Schönheit und Liebenswürdigkeit dieses glänzendsten aller Kavaliere eingenommen! Auch ist sie ideal genug, alles Gold nur für Schimäre zu halten. Was fragt sie danach, ob er die Dukaten auf den grünen Tisch wirft ... wenn er selber nur ihr zu eigen bleibt ... man kennt ja die schwärmerische Genügsamkeit verliebter Menschen, welche sich mit einem Herz und einer Hütte überreich wähnen!«

»Gut! — Warum also diesen schönen Wahn zerreißen?«

»Weil es nicht immer bei einer Flitterwochenliebe bleibt! Wenn sie ihr Unglück erst einsieht und begreifen lernt, ist es zu spät!«

»Hast du dich von all dem Unglück, welches dich im Leben getroffen, zu Boden schlagen lassen?«

»Nein ... ebensowenig wie du; aber Gundula ...«

»Ist unser Fleisch und Blut! Ist eine Wahnfried reinster Rasse; ist genau dasselbe eisenfeste energische Weib, wie es alle gewesen sind, welche unser kraftvolles Geschlecht hervorgebracht!«

»Komm einmal her, sieh mal da hinab! Na, gäbe es wohl auf der ganzen Welt eine bessere Bärin von Hohen-Esp, welche mit stolzen, wehrhaften Pranken um ihr Glück kämpfen wird?«

Der Kammerherr lachte kurz auf und raffte mit schnellem Griff den schweren Fenstervorhang zur Seite: »He! Ist das Mädel da unten ein Mondscheinprinzeßchen, welches ein Wettersturm über den Haufen bläst — eine Wachspuppe, welche unter ihren eigenen heißen Tränen zerschmilzt? Ich dächte, nein! Und Graf Friedrich Karl hat wohl genau gewußt, daß er keine bessere Schirmherrin in seine Bärenburg einführen kann, als unsere Gundula!«