»Nein, nein, liebe Frau Gräfin, das wäre noch schöner, wenn ich ein solcher Hasenfuß sein wollte! Nun, wo ich weiß, was für Stimmen da draußen lärmen, lachen und rufen, fürchte ich mich nicht mehr vor ihnen!«
Und als sich nach herzlichem »Gute Nacht« die Gräfin zurückgezogen, trat Gabriele an das Fenster und blickte in die dunkle Nacht hinaus.
Der Wind jagte schwarze Wolkenmassen über den Himmel — die Bäume drunten bogen sich und ächzten, und die Fensterriegel klappten und greinten wie mit leisem, wehmütigem Klagelaut.
Gabriele schloß die Vorhänge und begab sich zur Ruhe.
Aber sie fand lange keinen Schlaf.
Ihr war's, als säße sie noch in dem Boot, das auf und ab geschleudert ward von tosenden Wellen.
Guntram Krafft saß ihr gegenüber und führte das Ruder — und er sah sie nicht an, sondern blickte starr geradeaus in die gähnend finstere Nacht — und sein Angesicht glich dem jungen Wulffhardt von Hohen-Esp, der ertrunken war um 1503! —
Ertrunken! —
Gabriele schauerte zusammen und preßte das Antlitz in die Kissen.