Die beiden Frauen kämpfen sich vorwärts, Fischerfrauen und Kinder folgen ihnen, fest aneinandergedrängt, starren sie stumm und ernst hinaus auf die wild empörten Wasser. Der Schutz der Düne hört auf, mit voller Wucht wirft sich der Sturm den Nahenden entgegen. Einen Augenblick hat Gabriele das Empfinden, sie müsse ersticken, — die Gräfin faßt sie fester in den Arm und kehrt ihr Antlitz dem Lande zu, — da braust es über sie hinweg, und sie kann momentan aufatmen und neu zu Kräfte kommen.

Dann ringen sie abermals gegen Wind und Wetter, und Gabriele gewöhnt sich nach den kurzen Anweisungen Gundulas an das Atmen im Sturm, sie überwindet ihre Bangigkeit und Schwäche, sie will stark sein! Sie will vorwärts ... sie will sehen und hören!

Guntram Krafft wendet sich flüchtig und blickt zurück, aber all sein Interesse scheint im Dienst der Pflicht zu stehen.

»Ist es tatsächlich ein Notsignal?« fragt die Gräfin.

Er nickt. »Vorläufig läßt sich noch nichts erkennen, wir müssen warten, bis die Wolken vorüber sind, — minutenlang muß der Mond hervortreten!«

Dann trifft sein Blick Gabriele.

Sie steht neben ihm, die Hände gegen die Brust gedrückt, das Antlitz von dem weißen Spitzentuch umflattern, mit einem leisen Schrei die Augen starr, weitoffen auf die See gerichtet.

»Ist dies dasselbe Meer ... dasselbe Meer von gestern und ehedem?!« —

Schwarz und furchtbar gähnt es in weiter Unendlichkeit vor ihr, — der hohe Wogenschwall wälzt sich donnernd heran, in zwei-, drei- und vierfacher Brandung kocht der weiße Gischt am Strande auf, gespenstisch rollen die aufbäumenden Seen heran wie Ungeheuer, welche in wütender Gier Strand und Land verschlingen wollen.