»O, man alles nützt die! Die Schiffsmannschaft muß die Leine dann vom Lande her anholen, bis sie den Steertblock daran finden, durch welchen ein Jölltau geschoren ist!«

»Und was soll damit?« — Gabriele blickte die wortkarge Mike beinahe ungeduldig an, und das junge Weib fuhr monoton fort —: »Ja, so, — das kennen Sie man alles noch nicht! Dieser Steertblock muß am Mast unter der Sahling befestigt werden ... oder, wenn die Masten schon über Bord geschlagen sind, an einem andern hohen Gegenstand ... und dann geben sie vom Wrack wieder ein Signal, damit die auf dem Lande das Rettungstau an dem Läufer befestigen, das ziehen sie dann vom Strand 'rauf aufs Schiff ...«

»Und Unsere hier ziehen damit das Schiff aufs Land?«

Nun ging doch ein schnelles, breites Lächeln über das Gericht der jungen Fischerfrau.

»Ach, aber nee! Dat geiht jo nich!« schüttelte sie den Kopf und fuhr, sich verbessernd fort: »Daran wird man bloß die Hosenboje nach den Gestrandeten hinübergeschickt, da setzt sich die Mannschaft nacheinander ein und wird übergeholt! Jetzt gleich wird es mit dem Schießen losgehen ... der Krischan zeigt schon die rote Latern'!«

Eine immer größere Aufregung hatte Gabriele erfaßt. Die wundersame schaurige Poesie dieser nächtlichen Rettung wirkte wie berauschend aus ihr so leicht empfängliches Gemüt!

All dieses fremdartige Hasten und Treiben, die drohende Gefahr, die Angst und Sorge um eigenes und fremdes Leben, die unbeschreiblich großartige Schönheit der wild entfesselten Elemente übten einen nie geahnten Zauber aus; es war, als habe Gabrieles Herz in tiefem Schlaf gelegen und nur auf diese Stunde geharrt, welche es erwecken soll zu einem neuen, köstlichen Leben, zu der jauchzenden Erkenntnis alles dessen, was ihre Seele voll schwärmerischer Begeisterung seit jeher erhofft und ersehnt. Und voll ungestümer Leidenschaft wandte sie sich und kämpfte sich durch den Sturm näher und näher zu Guntram Krafft heran, bis sie beinahe an seiner Seite stand, bis sie sein Antlitz schauen — seine Worte hören — jede seiner kraftvollen Bewegungen beobachten konnte.

Ihr Auge glänzte wie im Fieber — ihre Lippen lächelten wie im Traum.