O, wie gräbt sich sein herrliches Bild in dieser Stunde, wie mit feurigen Linien gezeichnet, so unauslöschlich in Gabrieles Herz!

Wie in bangem, wonnig wehem Ahnen all dieser blendenden Erkenntnis hat es schon all die Tage vorher in ihrer Brust gezittert, aber sie hat sich gewehrt gegen diesen Gedanken, wie gegen eine Unmöglichkeit!

Noch vorhin, als er sie im Arm gehalten, als er sie in nimmer endendem Tanz heiß und heißer an die Brust gedrückt, da ging es wie ein Morgendämmern der Liebe durch ihre Seele, da war es ihr, als müsse sie das Antlitz auf seine starken, kraftvollen Hände drücken und sagen: »ich weiß, was sie Gutes tun und Edles schaffen — und ich bitte dir all das schwere Unrecht ab, du wackerer Mann, welches ich dir ehemals so verblendet zugefügt!«

Und in jener Stunde hatte sie nur seine Größe geahnt und noch nicht mit Augen geschaut, wie jetzt!

Flammende Begeisterung durchglüht sie! Der Traum von edlem Heldentum, von sieghaftem Mannesmut ist zur Wahrheit geworden! Welch eine Fahrt auf Tod und Leben!

Welch ein trotzigkühner Kampf gegen die furchtbarsten Gegner, gegen Sturm und donnernde Meeresflut, gewaltig wie die anstürmenden Heere des Feindes, verderblich wie die brüllenden Geschütze auf dem Schlachtfeld, welche Tod und Verderben speien! — Auch hier grinst der Tod aus jeder Woge, auch hier lauert Untergang und Vernichtung in der Tiefe, hier tost der Feind auch in den Lüften und setzt seine urgewaltige Titanenkraft gegen ein paar armselige Menschenfäuste ein! —

Wie ein eisiges Grauen will es Gabrieles Herz beschleichen, wenn sie hinaus in die Nacht, auf die finsteren, tosenden Wasser blickt!

Drüben liegt das Schiff!

Mattes Mondlicht huscht gespenstisch darüber hin. —