»Laßt uns beten, meine Freunde!« ruft der Pastor, er entblößt sein Haupt ... die weißen Haare wehen um seine Stirn, — um ihn her sinken die Weiber und Kinder auf die Knie, banges Seufzen und Schluchzen klingt durch seine Worte, welche im Sturm verhallen. Auch Gabriele will niedersinken und die bebenden Hände zum Himmel heben — sie kann es nicht. —

Sie muß stehen ... hochaufgerichtet ... sie muß hinausstarren auf das Meer, als könne sie dem kleinen Boot mit den Blicken folgen. Der Mond tritt hell aus den Wolken — mit Jubel und Dank gegen Gott begrüßt. —

Ja ... man sieht das Boot ... man sieht das gestrandete Schiff ...

Gabriele atmet fast keuchend.

Ihre ganze Gestalt bebt und schüttert wie unter heißen Fieberschauern.

Was weint und schluchzt ihr Weiber und Kinder?

Gabriele möchte laut aufjauchzend die Arme ausbreiten, möchte wie berauscht von leidenschaftlicher Glückseligkeit in den Sturm hinausjubeln — möchte vergehen in der namenlosen Wonne und Begeisterung, welche ihre ganze Seele erfüllt und in blendende Helle taucht. Ist es ein Wahn? ein Traum?... eine Vision, welche sie schaut?

Ist jener heldenhafte, tollkühne Mann in jenem gebrechlichen Fahrzeug wirklich der Bär von Hohen-Esp, derselbe, welcher einst so linkisch und mädchenhaft errötend auf höfischem Parkett gestanden? —

Ist dieser unerschrockene, verwegene Held wirklich Guntram Krafft?